Warum ihr vor der Börse keine Angst zu haben braucht

Angst Börse
Bulle und Baer an der Frankfurter Boerse

Nach den aktuellsten Berechnungen des Deutschen Aktieninstitutes (DAI) waren im Jahr 2019 bei uns in Deutschland lediglich 15,2 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahren in Aktien investiert.

Betrachtet man das gesamte vergangene Jahrzehnt haben immer mehr Menschen erkannt, dass es in der aktuellen Niedrigzinsphase notwendig ist, das Risiko bei der Geldanlage im Vergleich zum guten alten Sparbuch zu erhöhen. Zumindest wenn man eine positive Rendite erzielen möchte.

Der erfreuliche Trend der letzten Jahre mit stetig steigenden Aktionärszahlen, scheint nun jedoch vorerst gestoppt.

Im Vergleich zu 2018 gibt es rund 660.000 Menschen weniger, die Aktien in ihrem Depot haben (Quelle: Deutsches Aktieninstitut e.V.). Und das trotz eines überragenden Börsenjahres 2019 mit einem DAX-Anstieg von 26 Prozent.

Im europäischen Vergleich hinken wir damit weit zurück.

Die Börse wird aus Angst vor Verlusten immer noch von (zu) vielen Menschen gemieden. Sie glauben, dass ein großes wirtschaftliches Fachwissen notwendig sei, um an den Kapitalmärkten erfolgreich zu sein. Für die Beobachtung der aktuellsten Kursentwicklungen befürchten sie hohen Aufwand betreiben zu müssen. Dazu kommt, dass Aktien den Ruf eines riskanten Spekulationsobjektes haben.

Eben diese Bedenken begegnen mir regelmäßig in meinem Familien-, Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis. „Wenn es so gut und einfach funktionieren würde, würden es ja alle machen“, lautet ein oft gehörtes Argument.

Verlustreiche Erfahrungen haben die Ängste der Privatanleger bestätigt. Die negativen Erfahrungen vieler Börseneinsteiger mit der „Volksaktie“ der Deutschen Telekom in den 90er Jahren oder das Platzen der „Dotcomblase“ im Zuge des Internethypes zur Jahrtausendwende haben ihr übriges dazu beigetragen.

Auch der jüngste Bilanzskandal und die damit verbundene Pleite des deutschen Technologie-Hoffnungsträgers Wirecard werden diese Ängste nicht unbedingt entkräften. So etwas spricht sich herum.

Die wirklichen Gründe für diese negative Erfahrungen vieler Privatanleger mit der Börse werden dabei nur selten ausreichend beleuchtet.

Durch den viel beworbenen Börsengang des Telekommunikationsriesen und der allgemeinen Euphorie um Internetaktien einige Jahre später, haben sich damals viele Privatanleger entschieden, erstmals an der Börse aktiv zu werden.

Eine Strategie hatten die wenigsten.

Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Telekomaktionäre ihren gesamten Einsatz auf dieses eine Investment konzentriert haben.

Beim Absturz der Dotcomblase war es so, dass viele Erstanleger in Internetaktien investiert hatten, als der Hype schon in vollem Gange war. Berücksichtigt wurde bei der Kaufentscheidung lediglich die vergangene Kursentwicklung. Und die war natürlich äußerst erfreulich. 

Fundamentale Daten fanden kaum Beachtung. Geschockt von den folgenden heftigen Kursabstürzen haben die Anleger damals panisch ihre Anteile verkauft und der Börse für immer den Rücken gekehrt.

Diese Menschen haben grundlegende Fehler begangen, die zu diesem Misserfolg geführt haben. Trotz der Tatsache, dass eine Aktienanlage eine risikobehaftete Geldanlage ist, hätten diese Fehler vermieden werden können.

Dazu hätte es lediglich der Beachtung einiger weniger Grundregeln bedurft. Die Vorgehensweise dieser Anleger war eine Spekulation und kein Investment. Das hatte nichts mit einer langfristig orientierten Aktienanlagestrategie zu tun.

Aus meiner Sicht waren dies keine Verluste, die man als Geldanleger auf Grund der Eigenarten der Kapitalmärkte zwingend zu akzeptieren hat. Das waren individuelle Fehler der jeweiligen Privatanleger.

Nicht jeder ist von Natur aus für die Börse geeignet

Ich bin von einer Geldanlage in Aktien absolut überzeugt. Ich muss aber fairerweise auch darauf hinweisen, dass nicht jeder Mensch schon auf Grund seiner Persönlichkeit für diese Art der Geldanlage geeignet ist.

Wem ein subjektives Gefühl von Sicherheit durch einen Vertragsabschluss mit einer serösen Bank oder einer Versicherung ein wichtigeres Bedürfnis ist, der sollte sein Geld auch so anlegen.

Wer sich bei erheblichen Kursverlusten unwohl fühlt, dessen Schlafqualität dadurch leidet oder bei wem Verluste emotionale oder körperliche Reaktionen hervorrufen, sollte kein Geld an der Börse investieren.

Wenn ihr zu diesen Menschen gehört, solltest ihr akzeptieren, dass ihr mit schwankungsärmeren Investitionen derzeit nur eine geringe Rendite erzielen könnt. Eine solche Entscheidung ist dann aber auch nicht verwerflich, sondern vernünftig.

Gesundheit und Wohlbefinden und damit die Lebensqualität sollten nicht unter der Art eines Investments leiden. Nicht wegen Geld.

Aber nun zu den Gründen, warum ich mich persönlich für Aktien als wichtigste Anlageklasse innerhalb meiner Strategie entschieden habe. Bei meiner Entscheidung habe ich vorausgesetzt, dass unser kapitalistisches System auch in Zukunft in dieser oder ähnlicher Form existieren wird.

Aktien sind langfristig die rentabelste Geldanlage

Ein breites Aktieninvestment ist von großer Bedeutung für den Vermögensaufbau.

Nachweislich sind langfristig durchschnittliche Renditen von 7-9 Prozent pro Jahr realistisch. Wenn ich beispielsweise 10 Jahre lang ein Zusatzeinkommen von 1000 Euro erhalten möchte und von einer Renditeerwartung von 7 Prozent ausgehe, benötige ich etwa 30 Jahre in denen ich monatlich 100 Euro zur Seite lege.

Bei ansonsten gleichen Bedingungen, aber einer Rendite von 9 Prozent, hätte ich mein Ziel bereits nach ca. 26 Jahren erreicht.

Mit einer vergleichbaren Geldanlage in Tages- oder Festgeld wird meine Lebenszeit hingegen nicht ausreichen, um ein ähnliches Ergebnis zu erzielen. Erst heute habe ich eine Mail von meinem Tagesgeldanbieter erhalten, dass der Zinssatz auf 0,0 % gesenkt wurde.

Niemand kennt die zukünftige Entwicklung der Kapitalmärkte. Auch keine Analysten oder Experten. Daher müssen wir die Vergangenheit bewerten. Die Erfahrung zeigt, dass Ängste vor der Börse dann unbegründet waren, wenn eine einzige Voraussetzung gegeben war: LANGFRISTIGKEIT!

Kurzfristiges spekulieren ähnelt einem Glücksspiel. Langfristige Geldanlage setzt auf Fakten und Wahrscheinlichkeiten und hat nichts mit Roulette oder Sportwetten zu tun.

„Der Aktienmarkt ist – kurfristig betrachtet – faszinierend und irreführend. Auf lange Sicht ist dieser Markt nahezu langweilig zuverlässig und vorhersehbar.“

Charles D. Ellis

Auch wenn niemand die genauen Kursentwicklungen vorhersagen kann, gibt es trotzdem einige gute Argumente warum die Börse langfristig weiter steigen wird.

Bemühen wir hierzu den Deutschen Aktienindex (DAX) als Beispiel. Dieser enthält die Auswahl der 30 größten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen. Das bedeutet auch, dass hier schon per se eine gewisse Qualität vorhanden sein dürfte. Und das in einem Land, welches weltweit für seine Wirtschaftskraft anerkannt ist.

Jährlich werden die DAX-Unternehmen anhand bestimmter Kennzahlen gerankt. Das ist vergleichbar mit der jährlichen Abschlusstabelle der Fußball-Bundesliga. Einige Unternehmen steigen anschließend in den MDAX ab und werden durch aufstrebende Aufsteiger ersetzt. Durch diese Auslese ist immer ein gewisser Qualitätsstandard im DAX gewährleistet. Die verbleibenden Unternehmen haben demnach langfristig gut gewirtschaftet. Dies führt zwangsläufig zu Rendite.

In allen Anlagezeiträumen zwischen 1963 und 2019 hat ein DAX-Anleger eine positive Rendite erwirtschaftet, wenn er länger als 14 Jahre investiert war. Das bedeutet, dass sogar die Betroffenen der Dotcomblase heute längst verlustfrei wären, wenn sie nicht aufgegeben hätten. Wenn Sie die zwischenzeitlichen erheblichen Verluste ausgesessen hätten.

 

Vielleicht könnt ihr euch ausmalen, was möglich wäre, wenn ihr solche gravierenden Fehler vermeiden könntet und bessere Ein- und Ausstiegszeitpunkte wählen würdet, als die allerschlechtesten.

Für junge Menschen besonders ideale Voraussetzungen. Die nachfolgende Grafik macht deutlich, dass selbst die heftigsten Kursverluste nach einigen Jahren ausgeglichen wurden. Die längste gemessene Erholungszeit benötigte die Dotcomblase mit 7,3 Jahren. Das gilt für den Fall, dass man den allerschlechtesten Zeitpunkt erwischt hat. Mit einer durchdachten Strategie wäre diese Zeitspanne deutlich verkürzt worden.

Börse Daxerholungszeit
Quelle: Deutsches Aktieninstitut e.V.

Chancen statt Gebühren

Wer bereit ist, sich eine Strategie zu erarbeiten und dieser konsequent treu zu bleiben, kann langfristig eine überdurchschnittliche Rendite erwirtschaften.

Die Entscheidung für Aktien als Geldanlage ist das eigentlich nachhaltige Erfolgsrezept. Welche Strategie ihr euch aussucht ist erstmal zweitrangig. Das ist zumeist eh eine Entwicklung, die sich über mehrere Jahre zieht und anhand von Erfahrungen wächst. 

Weiterhin ist es erforderlich, seine Emotionen bei der Geldanlage zu kontrollieren und Schwankungen zu akzeptieren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dafür muss man kein Profi sein.

Wer keine Lust oder kein Interesse daran hat, regelmäßig Kurse zu beobachten und sich mit fundamentalen Daten zu beschäftigen, kann trotzdem viele gebührenarme und erfolgreiche passive Investmentstrategien finden. Hier ist immerhin eine durchschnittliche Rendite von 4-7 % p.a. möglich.

Auch ob ETF oder Einzelaktie könnt ihr immer noch nach einer Phase des Ausprobierens entscheiden.

Schließe ich hingegen eine klassische Rentenversicherung ab, sind Abschlussgebühren von 1500 – 2000 Euro keine Seltenheit. Dazu kommen laufende Verwaltungskosten.

Diese Gebühren sind sichere Verluste, sobald ich meine Unterschrift unter einen solchen Vertrag gesetzt habe. Die müsste ich erst wieder aufholen.

Ich habe 2011 mit kleinen Beträgen an der Börse vorsichtig angefangen. Bis zu einem Verlust in vergleichbarer Höhe hätte ich also einige Fehler machen können. Nach 9 Jahren Aktienanlage haben meine gesamten realisierten Verluste die Kosten einer kapitalbildenden Lebensversicherung gerade erst erreicht. Dem gegenüber stehen natürlich noch die Gewinne, die meine Verluste bei weitem überwiegen.

Das ist nicht das Ergebnis eines tollen Börsenpapstes sondern der Tatsache geschuldet, dass ich sichere Verluste in Form von Kosten und Gebühren gegen Chancen eingetauscht habe. Meine Verluste habe ich als Lehrgeld verbucht und von den Erfahrungen profitiere ich heute.

Geld verdienen durch Beteiligung an einem Unternehmen

Einfach ausgedrückt ist eine Aktie eine Unternehmensbeteiligung. Mit dem Kauf gehört mir ein kleiner Teil einer Firma. Ich partizipiere an Gewinn und an Verlust.

Wenn irgendwo auf der Welt ein Mensch in einem Supermarkt seinen Wocheneinkauf tätigt, an einer Tankstelle sein Auto tankt, bei Amazon einen Artikel mit seiner Kreditkarte bezahlt, bei Google auf eine Werbeanzeige klickt oder sich ein neues Handy kauft, dann möchte ich daran mitverdienen.

Auch dann, wenn ich selbst gerade meinem Beruf nachgehe, auf der Couch liege und Netflix schaue oder ob ich schlafe. In meinem Beruf tausche ich Lebenszeit gegen Geld. Um dem entgegen zu wirken, halte ich Aktien.

Es gibt nur wenige wichtige Regeln zu beachten, um erfolgreich zu sein

Als ich begonnen habe mich mit der Börse zu beschäftigen, wurde ich fast erschlagen, von der Masse an Anlagemöglichkeiten, Produkten und Dingen, die man angeblich beachten soll.

Mit der Zeit konnte ich einen Großteil davon für mich ausschließen und ignorieren. So habe ich mittlerweile einen ganz guten Überblick was für mich beachtenswert ist und was nicht.

Wenn man sich an einige einfache Börsengrundregeln hält, lässt sich das Risiko ganz erheblich absenken. Die meisten Regeln beinhalten Dinge, die man NICHT tun sollte. Das vereinfacht die Sache erheblich. 

Fazit:

Ich habe keine Rentenversicherung und kein Riester-Produkt und spare daher tausende Euro an Abschluss- und Verwaltungskosten. Ich schließe keine Bausparverträge mehr ab und bezahle daher keine 500 Euro Abschlussgebühr für eine Bausparsumme über 50000 Euro.

Ich kaufe keine Provisionsprodukte von meinem Bankberater. Ich suche mir kostengünstige Konten* und Broker* und muss relativ niedrige Transaktionskosten für meine Wertpapiergeschäfte zahlen.

Ich achte darauf, welche Steuerausgaben ich legal vermeiden kann. Ich investiere in keine undurchsichtigen Finanzprodukte, die ich nicht verstehe und verzichte auf kurzfristige Spekulationen, die das schnelle Geld versprechen.

Meine Rendite resultierte also in der Anfangsphase auch zu einem großen Teil aus Dingen, die ich nicht mache. Das eingesparte Geld konnte vollumfänglich angelegt werden und wurde dem Zinseszinseffekt unterworfen. Gleichzeitig war es ein sinnvoller Puffer für Lehrgeld.

Auf Grund dieser inneren Haltung und der in diesem Beitrag aufgeführten Argumente, die aus meiner Sicht für ein Investment an der Börse sprechen, habe ich in 2011 die Entscheidung getroffen, den Sprung ans Börsenparkett zu wagen. Obwohl dies nicht für jeden Menschen die richtige Anlageart ist, bin ich auch nach mehr als 9 Jahren mit meiner Entscheidung sehr zufrieden.

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4 Comments

  1. MrAktie

    Hallo Marco,
    du sprichst mir voll aus dem Herzen.
    Mein oberstes Ziel ist es, mehr Menschen über Aktien und die Börse zu informieren.
    Und auch in meinem Bekanntenkreis gibt es viele Vorurteile.
    Ein ganz toller Artikel.
    Schöne Grüße
    Uwe

    1. Marco

      Hallo Uwe,

      vielen Dank für das Feedback. Wie läuft denn dein Blogprojekt?

      VG Marco

  2. Kai

    Hallo! Also ich denke, dass du Recht hast und die Börse nicht für jeden etwas ist. Allerdings denke ich auch, dass die Börse für weit mehr Menschen geeignet ist als es Aktien- und ETF-Investoren in Deutschland gibt. Diese Assetklasse ist einfach zu wenig verbreitet und deswegen haben die meisten einfach Angst und Vorurteile vor dem, was sie nicht kennen. Ich glaube sogar, dass viele nicht wissen was genau eine Aktie ist. Es ist denke ich wichtig, dass es Artikel wie diesen gibt, die etwas Licht ins dunkle bringen und zeigen, dass es keine Hexenwerk ist Aktien zu besitzen, sondern eine lohnenswerte Investition! LG Kai

    1. Marco

      Hallo Kai,

      es gibt mittlerweile viele Menschen, die in diesem Bereich hervorragende Aufklärungs- und Fortbildungsarbeit leisten. Leider gibt es auch immer wieder Rückschläge, wie z.B. die Wirecard-Sache oder auch die 1-Euro-Tradingmentalität. Auch die Gier ist ein mächtiger Gegner. Den wenn links und rechts die Tech-Aktien in die Höhe schießen, fällt es schwer, sich über einstellige aber kontinuierliche Kurszuwächse bei soliden und hochwertigen Unternehmen der „Old Economy“ zu freuen. Das eigentliche Hexenwerk ist es, viele Aktien nicht besitzen zu wollen;-)

      Schöne Grüße
      Marco

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Wichtiger Hinweis zu § 85 WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für eure Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Ihr handelt eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich euch die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.