Über welche Börse soll ich meine Aktien kaufen?

Boerse Frankfurt

Wenn du Aktien oder ETF selbstständig handeln möchtest, wirst du irgendwann zwischen dem Log-In in dein Depot und dem Kaufabschluss vor die Entscheidung gestellt, an welcher Börse du dein Wertpapier kaufen möchtest.

Daher schauen wir uns heute einmal an, welche Börsen es in Deutschland überhaupt gibt und an und wo der Kauf deiner Wertpapiere Sinn machen könnte.

 

Über welche Börsen kann ich Aktien, ETF oder andere Wertpapiere kaufen?

 

Die Deutsche Börse AG

Die Deutsche Börse AG ist die größte Börse in Deutschland und hat ihren Sitz in Frankfurt. Sie ist Träger der öffentlich-rechtlichen Frankfurter Wertpapierbörse. Nach 425 Jahren wurde dort im Jahr 2011 der klassische Parketthandel vollständig eingestellt und auf das elektronische Handelssystem XETRA übertragen, welches ebenfalls von der Wertpapierbörse in Frankfurt betrieben wird. Über 90 % des Wertpapierhandels wird in Deutschland über die Frankfurter Börse bzw. XETRA abgewickelt. Die Deutsche Börse AG ist als Konzern mit ihren Aktien sogar selbst im DAX gelistet.

Wenn du also Aktien über die Deutsche Börse AG handeln möchtest, hast du die Wahl zwischen XETRA und der Börse Frankfurt.

 

Regionale Börsen

Die Börse Stuttgart ist die zweitgrößte deutsche Börse. Daneben gibt es noch einige weitere regionale Börsen, wie Berlin, Hamburg, Bremen, Hannover, Düsseldorf oder München.

 

Ausländische Börsen

Weiterhin gibt es die Möglichkeit, Wertpapiere über eine ausländische Börse zu kaufen. Bei ausländischen Titeln, die an einer deutschen Börse nicht oder nur in geringen Stückzahlen gehandelt werden, kann der Weg über den jeweiligen Heimatmarkt Sinn machen. Die meisten deutschen Broker bieten den ausländischen Handel an, so dass es nicht erforderlich ist, ein Depot im Ausland zu eröffnen. Die Gebühr an einem Börsenplatz im Ausland ist jedoch oftmals höher als bei einem Aktienhandel an einer deutschen Börse. Du solltest zudem auch auf die Währungsschwankungen und auf die veränderten Handelszeiten achten.

 

Außerbörslicher Direkthandel

Wer Wertpapiere kaufen möchte, ist heutzutage nicht mehr gezwungen über eine Börse zu gehen. Über außerbörsliche Handelsplattformen, die von manchen Brokern selbst erstellt werden, sind direkte Transaktionen zwischen zwei Handelspartnern möglich. Eine bekannte außerbörsliche Plattform ist zum Beispiel der bekannte Broker Lang & Schwarz.

 

Folgende Vorteile ergeben sich durch den außerbörslichen Handel:

 

  • Schnelligkeit – Die Order wird direkt ausgeführt. Bei kleineren Werten kann das ein Vorteil sein. Bei größeren Unternehmen macht sich kaum ein Unterschied zum börslichen Handel bemerkbar.

 

  • Preisstabilität – Der Preis, der dir vom Broker angeboten wird, ist auch der tatsächliche Preis. Beim Börsenhandel sind hingegen kleinere Abweichungen möglich.

 

  • Kosten – Du musst keine Börsengebühren zahlen, die beim Handel über eine Börse fällig würden, sondern nur die Orderprovision an deinen Broker

 

  • Flexibilität – Du bist hier nicht an die Öffnungszeiten der Börse gebunden. Manche Broker bieten den Handel auch außerhalb der Börsenöffnungszeiten, wie z.B. am Wochenende an.

 

Aber es gibt auch einige Nachteile, über die du zumindest Bescheid wissen solltest:

 

  • Kosten – Trotz des Wegfalls von Börsengebühren sind im Einzelfall erhöhte Kosten möglich. Da der Broker außerhalb der Öffnungszeiten ein erhöhtes Risiko trägt, sind die Spreads hier auch deutlich höher.

 

  • Regulierung – Der außerbörsliche Direkthandel unterliegt einer geringeren Kontrolle und Aufsicht

Bevor du dich für den außerbörslichen Direkthandel entscheidest, solltest du immer einen Vergleich mit der börslichen Variante durchführen und den besten Kurs für dich heraussuchen.

 

Tradegate

Als jüngste und gleichzeitig etwas speziellere Börse gibt es seit 2009 Tradegate Exchange mit Sitz in Berlin, die ebenfalls zu 3/4 der Deutsche Börse AG gehört. Tradegate funktioniert ebenfalls vollständig elektronisch und stellt ein außerbörsliches Handelssystem mit sofortigen automatischen Ausführungen, verbunden mit einer Informationsplattform im Internet für Privatanleger dar. Auch hier sind nur die Provisionskosten an deine Bank zu zahlen. Eine umsatzabhängige Börsengebühr gibt es hier nicht. Man sollte allerdings berücksichtigen, dass die Spreads außerhalb der XETRA-Zeiten auseinandergezogen werden. Was ein Spread ist, erfährst du im kommenden Abschnitt des Artikels.

 

Nach welchen Kriterien sollte ich mir die Börse aussuchen?

 

Kosten

Ein Hauptkriterium für deine Wahl der richtigen Börse sollten die Kosten sein. Die Kosten beim Kauf eines Wertpapieres setzen sich aus drei Elementen zusammen:

 

1.Orderprovision

Die Orderprovision wird, je nach Broker, auch Handels- oder Transaktionsgebühr genannt und muss von dir an deine Bank gezahlt werden.

 

2. Börsengebühren

Diese Kosten fallen direkt am Börsenplatz an. Diese Börsengebühr setzt sich aus der pauschalisierten Handelsplatzgebühr in Höhe von 1,50 Euro, sowie umsatzabhängigen Spesen zusammen. Sofern die Order an einer Regionalbörse erteilt wird, kommt ggfs. noch eine Maklercourtage hinzu. Diese (bei einigen Börsen auch als Courtage, Handelsentgelt oder Entgelt bezeichnet) beträgt in der Regel 0,4 Promille bzw. 0,8 Promille je nach Wertpapierart. Hier kannst du eine Auflistung der Gebühren an den einzelnen Börsen einsehen.

 

3.Spread

Der Spread ist die Differenz zwischen den Kauf- und Verkaufskurs und neben der Ordergebühr die zweite Einnahmequelle einer Börse bei einer Transaktion. Sie kauft ein Wertpapier zu einem niedrigeren Preis als sie es dann an den Käufer weiter verkauft. Aus deiner Sicht sollte der Spread also möglichst gering sein.

Wenn du zum Beispiel eine Aktie verkaufen möchtest, bietet die Börse an, dir deine Aktie zu einem Preis von 10 Euro abzunehmen, um sie dann selbst für 10,10 Euro an den Käufer weiter zu geben. Die Differenz von zehn Cent ist dann der Spread.

In diesem Zusammenhang spricht man auch von Geldkurs und vom Briefkurs. Der Käufer erhält den etwas höheren Briefkurs. Entsprechend ist dann der niedrigere Geldkurs, der Kurs des Verkäufers.

 

Liquidität

Der zweite Aspekt, den du bei der Auswahl des Handelsplatzes beachten solltest, ist die Liquidität. Sie sagt aus, wie oft eine bestimmte Aktie an dieser Börse an dem jeweiligen Tag gehandelt wurde. Wenn dieser Handelsumsatz sehr gering ist, wäre das ein eher schlechtes Zeichen. Einerseits, weil unsere Kauforder dann ggfs. nicht ausgeführt werden würde oder wir auf Grund der geringen Nachfrage keinen zufriedenstellenden Preis für unser Angebot erzielen könnten.

 

Fazit

Als langfristig orientierter Buy-and-Hold-Anleger führst du pro Jahr normalerweise nur wenige Käufe und Verkäufe aus. Wenn du dich auf große und bekannte Blue-Chips beschränkt, kannst du bei der Wahl der richtigen Börse relativ wenig falsch machen. Diese Werte werden immer sehr liquide gehandelt und die Spreads sind gering und können vernachlässigt werden.

Als sehr aktiver Trader würden die Spreads mehr ins Gewicht fallen und sollten daher auch stärker berücksichtigt werden.

Etwas komplizierter kann es werden, wenn du kleinere Aktien oder Nebenwerte, die in keinem Index vertreten sind, handeln möchtest. In Kombination mit kleineren regionalen Börsen könnte es zu Liquiditätsengpässen kommen. In diesem Fall könntest du an einem solchen Tag deinen Kaufauftrag evtl. nicht ausführen lassen oder nicht den Preis erzielen, den du dir vielleicht erhoffst.

Mit einer langfristigen und durchdachten Buy-and-Hold Ausrichtung dürfte dich das auch nicht weiter belasten, denn dann gibt es bei dir auch keine Panikverkäufe und du versuchst es einfach an einem anderen Tag oder an einer anderen Börse nochmal.

Es kann auch helfen, zu einer Uhrzeit rund um 16:00 Uhr MEZ zu handeln, da zu dieser Zeit die europäischen und auch die meisten amerikanischen Börsen geöffnet haben und damit die größte Liquidität am Markt herrscht.

Falls du dir dennoch unsicher bist, welche Börse für deine Order die richtige ist, bist du mit dem XETRA-System als größter Handelsplattform eigentlich immer auf der sicheren Seite.

Ich habe persönlich mit dem Tradegate-Handel sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Kosten sind pauschal und meist unabhängig von der Höhe meines Geldeinsatzes. Diese Transparenz weiß ich sehr zu schätzen. Wenn ich doch einmal einen Nebenwert handeln möchte, kaufe ich über XETRA.

Wir können festhalten, dass es für uns Kleinanleger in den meisten Fällen machbar sein sollte, eine inländische Order für weniger als 10 Euro durchführen zu lassen. Mit welchen Depotanbietern dir das gelingen kann, dazu habe ich dir am Ende des Beitrags drei Vorschläge aufgeführt.

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Bild: © pixabay.de

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10 Comments

  1. Meine Finanzielle Freiheit

    Vielen Dank für den übersichtlichen Artikel!
    Die genannten Faktoren für die Börsenauswahl sind mE umfassend. Ich persönlich überlege stets, ob Kurs, Spesen und Ausführungswahrscheinlichkeit (gerade bei Setzen eines Limits) in einem sinnvollen Zusammenhang stehen. Meist fällt bei meinen ETF-Käufen die Entscheidung zu Gunsten von XETRA/Frankfurt.
    Viele Grüße und happy investing
    MFF

    1. Marco

      Hi Lukas,

      deine Vorgehensweise macht natürlich Sinn. Mit XETRA kannst Du eigentlich nichts falsch machen.

      Gruß
      Marco

  2. Pierre

    Eine schöne Auflistung und verständliche Aufklärung. 😉 ich selbst nutze Flatex mit dem außerbörslichen Handel von Tradgate. Bis jetzt lief alles ohne Probleme. Die Preise sind Fix und kann damit sehr gut die Kosten kalkulieren.

    Die zwei vorherigen Kommentare waren auch sehr interessant. Diese zwei Börsen sind für mich ebenso neu, wie für Marco.

    Viele Grüße
    Pierre

    1. Marco

      Hallo Pierre,

      wenn ich deutsche Aktien oder ausländische ohne Ausschüttung kaufe, dann nutze ich auch Flatex.

      Allerdings sind die Preise seit dem 01.03.2018 im außerbörslichen Direkthandel nicht mehr zwingend fix. Zu den 5,90 Euro, die dort leider etwas irreführend als „flat“ ausgewiesen sind, kommen nun bei Tradegate Exchange, Baader, gettex, Lang & Schwarz und LSX noch Fremdspesen hinzu. „Flat“ gilt also nur für eigene Kosten. Auch wenn sich diese Zusatzkosten meistens im überschaubaren Rahmen bewegen, finde ich diese Vorgehensweise alles andere als transparent. Ich empfehle Flatex daher hier bis auf Weiteres auch nicht mehr weiter. Schade, denn die Einführung der Minuszinsen wurden damals sehr fair und offen kommuniziert.

      Schönen Gruß
      Marco

  3. Tim

    Schöne Auflistung – war mir nicht bewusst, dass Tradegate zu großen Teilen zur DB AG gehört.

    1. Marco

      Hi Tim,

      nicht zu verwechseln mit der Eisenbahn, die immer zu spät kommen soll…

      Schönen Gruß

      Marco

  4. Stefan Stulle

    Ich muss dir zumindest im Punkt Liquidität widersprechen.
    Auszug aus der Website einer Regionalbörse:
    „Die Börse Berlin bietet eine einmalig große Auswahl an internationalen Titeln. Rund 10.000 Aktien aus 120 Ländern stehen Ihnen zur Auswahl. Schwerpunkte liegen u.a. auf Aktien aus Amerika, Australien, Osteuropa und China; neben bekannten Unternehmen finden sich viele Spezialtitel.
    Gerade bei weniger häufig gehandelten Werten profitieren Sie von den Möglichkeiten, die der Marktplatz Xontro bietet. Xontro ermöglicht dem Skontroführer, marktregulierend in das Geschehen einzugreifen. So kann er als Liquiditätsspender für illiquide Werte auftreten. Dadurch können Sie auch bei weniger häufig gehandelten Titeln zum Zuge kommen.“

    Das heißt, dass Du den Preis der großen Börsen auch an den Regionalbörsen bekämest. Preis an allen Börsen checken, dann an der gewünschten Börse ordern. So mache ich das. Als Berliner ordere ich natürlich bevorzugt in Berlin. Gilt aber sich auch für alle anderen Börsenplätze. Dafür handelt man ja schließlich auf einem überwachten Handelsplatz. Und falls der Makler mal pennt, kann man bei der Regionalbörse sogar bei der Handelsüberwachung anrufen und nachfragen.
    https://www.boerse-berlin.de/index.php/Handelsqualitaet/Aktienhandel

    1. Marco

      Hi Stefan,

      auch eine reumütige Entschuldigung an Dich, dass Du solange auf eine Beantwortung warten musstest. Die Verspätung hat die gleichen Gründe, wie bei deinem Vorgänger. Auch von Xontro hatte ich vorher nicht gehört, deshalb herzlichen Dank für die Info. So können sich die anderen Leser eine weitere Alternative anschauen. Deine Vorgehensweise mit Preisvergleich macht natürlich Sinn und das nicht nur beim Aktienkauf. Grundsätzlich sollte man das Thema Börsenplätze jedoch nicht zu hoch aufhängen, finde ich. Die Wahl der richtigen Börse wird nicht über Wohl und Wehe von uns langfristigen Privatanlegern entscheiden. Wer in diesem Bereich über ein Grundwissen verfügt und die wichtigsten Börsenplätze mit ihren Angeboten und Unterschieden kennt, der ist auf der sicheren Seite.

      Viele Grüße und besten Dank!
      Marco

  5. Karl

    Hallo, du hast Quotrix vergessen.(http://www.quotrix.de/). Wie Tradegate kostenlos und meistens günstiger.

    1. Marco

      Hallo Karl,

      entschuldige bitte meine verspätete Antwort. Ich war im Urlaub mit echt mieser WLAN-Anbindung und komme erst jetzt dazu, alles sukzessive nachzuarbeiten. Dafür wars sehr erholsam, ohne den täglichen Push-Wahnsinn. Danke für deine Ergänzung! Quotrix war mir bislang nicht bekannt.

      Viele Grüße
      Marco

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