Corona-Pandemie, Inflation und Zinswende: Meine Vorgehensweise für 2022

Corona, Inflation, Zinswende
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Wer in den vergangenen Wochen die Aktienmärkte beobachtet und sich auch mit den einschlägigen Finanzmedien beschäftigt hat, konnte es leicht mit der Angst zu tun bekommen.

Es ist offenbar wieder mal Zeit für Panikmache.

Mich erreichen in solchen Börsenphasen für gewöhnlich mehrere Mails von euch als sonst. Ich versuche die Situation daher einmal rational einzuordnen und evtl. einige Anpassungen meiner Vorgehensweise für 2022 daraus abzuleiten.

Wie wird die derzeitige Situation der Kapitalmärkte in den Medien dargestellt?

"Unschöne Parallelen: Börsen-Absturz erinnert an Dotcom-Crash"

ntv.de

"Geld anlegen wird in Zeiten der Zinswende nicht einfacher"

faz.de

"Ende der Wohlstandsmaschine Aktie? Das müssen Anleger jetzt wissen"

welt.de

"Börsencrash 2022. S&P 500 könnte um bis zu 90 Prozent einbrechen."

focus-online.de

"Wallstreet im Abwärtstrend: Der Ausverkauf geht weiter."

tagesschau.de

"Inflation = Börsencrash: Warum die Aktienkurse fallen müssen"

onvista.de

Alle diese Headlines haben gemeinsam, dass sie Aufmerksamkeit erregen und das sie uns verunsichern.

Für eine sachliche Aufarbeitung dürfen wir nie vergessen, dass die Medien auf Aufmerksamkeit angewiesen sind. Aufmerksamkeit erreicht man heutzutage leider nur über möglichst spektakuläre Headlines.

Wenn früher wirklich krasse Kursstürze für reißerische Börsenbegriffe notwendig waren, wird heute das Wort „Crash“ oft schon bei Tagesverlusten eines Index im Bereich von rund 1,5 % hervorgekramt. Je schlechter die Nachricht, desto besser lässt sie sich verkaufen. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man eine Situation sachlich analysieren möchte.

Die Verunsicherung führt dazu, dass wir Privatanleger uns in Social-Media-Gruppen oder Kommentaren besorgt zeigen, von unseren Verlusten und Verkäufen berichten und somit andere ebenfalls verunsichern. 

Ich versuche deshalb herauszufinden, was die Stunde wirklich geschlagen hat und wie die Situation wirklich ist.

Was ist an den Kapitalmärkten bislang wirklich passiert?

Der MSCI World hat seit Jahresbeginn ca. 6 % an Wert verloren. Seit dem Allzeithoch ist der breit gestreute Index weniger als 7 % zurückgekommen.

Der DAX hat seit seinem Allzeithoch rund 4 % verloren. 

Der S&P 500 gab seit seinem Allzeithoch fast 8 % nach.

Bei den Technologiewerten sieht es etwas deutlicher aus: Der NASDAQ verlor seit seinem Hoch ca. 13 %. 

Nachdem das vergangene Börsenjahr AUßERGEWÖHNLICH (!!!) ruhig verlief, kam es in den vergangenen Wochen zu Kursverlusten an den Kapitalmärkten dieser Welt.

Viele Privatanleger, die erst kürzlich den Schritt an die Kapitalmärkte gewagt haben, haben solche Erfahrungen noch nicht am eigenen Leib gemacht. Für sie sind die GEWÖHNLICHEN Schwankungen ungewohnt.

Technologiewerte verlieren deutlicher

Auffällig ist, dass wachstumsstarke Technologieaktien, die noch nicht profitabel wirtschaften, stärker nachgeben.

Value-Werte sind konstant

Gleichzeitig profitieren zur Zeit Unternehmen, die stetige Erträge erwirtschaften und ausschütten. Fresenius, BASF, Allianz oder CVS Health entwickeln sich in meinem Aktiendepot bislang sogar positiv. 

Welche Gründe könnten dafür verantwortlich sein?

Corona-Pandemie, Inflation und Zinswende sind die vorherrschenden Themen in der derzeitigen öffentlichen Wahrnehmung. Sie verursachen eine bestimmte Erwartungshaltung, was das Börsenjahr 2022 bringen wird.

Schauen wir uns die einzelnen Faktoren einmal genauer an.

1. Corona-Pandemie

Corona hat uns weiterhin im Griff. Omikron verdrängt nun weltweit die Delta-Variante. Die neue Variante verbreitet sich aggressiver, verläuft aber dem Anschein nach weniger schwerwiegend und weniger tödlich. 

Es ist wahrscheinlich, dass fast jeder von uns damit in Berührung kommt und sich infizieren wird. Der daraus resultierende Ausfall an Arbeitskraft würde das Wirtschaftswachstum ausbremsen.

Es ist unklar, ob auf Omikron nicht wieder eine neue und potenziell noch gefährlichere Variante folgt. Es ist unklar, wie die Situation im kommenden Winter ausschaut. Es ist unklar, ob die Pandemie damit ihrem Ende entgegen geht.

Unklarheiten sind Gift für die Börse. Sie belasten die Aktienmärkte.

2. Inflation

Vor der Pandemie lag die angestrebte Inflationsrate in den USA und der Euro-Zone bei ca. 2 % pro Jahr. Die tatsächliche Inflation lag darunter. Die Corona-Pandemie hat die Inflation nochmals etwas gedrückt.

Um zu verhindern, dass die Inflation noch weiter absinkt und sich von der angestrebten Zielrate entfernt, haben die Notenbanken FED und EZB während der Pandemie ihre Politik angepasst und eine zukünftig vorübergehend höhere Inflationsrate als akzeptabel ausgerufen. 

Dadurch stiegen die Erzeugerpreise im letzten Jahr.

Für die Einordnung der Inflationsrate wird der jeweilige Wert des Vorjahresmonats zum Vergleich herangezogen. Der Dezember 2020 (mit niedrigen Preisen) wird mit dem Dezember 2021 (als die Preise hoch waren) verglichen. In Deutschland kam zeitweise die Mehrwertsteuerabsenkung 2020 dazu, die es 2021 nicht mehr gab und die Steigerung der Inflation optisch noch deutlicher erscheinen ließ.

Im Dezember 2021 betrug die Inflationsrate in Deutschland hohe 5,3 %.

Im Jahresdurchschnitt liegt die Inflationsrate nur noch bei 3,1 %. Also ziemlich genau wie von der EZB geplant.

Die Inflation ist gewollt. Sie entwertet nicht nur Geldvermögen, sondern auch Schulden. Somit auch die Staatsschulden der Euro-Länder. 

Die Inflation 2022 wird nun aber mit dem hohen Niveau aus 2021 verglichen. Also sollte die Inflationsrate in der Euro-Zone spätestens im zweiten Halbjahr spürbar sinken.

Etwas anders sieht die Situation in den USA aus. Hier lag die Inflationsrate mit 7 % im Dezember 2021 im Vergleich mit dem Vorjahresmonat deutlich höher. Hier sieht sich die Notenbank gezwungen einzugreifen. Die FED wird mit Zinserhöhungen reagieren um die Inflation zu bremsen.

3. Zinswende

In den USA werden daher steigende Zinsen prognostiziert. Diese Steigerung muss jedoch moderat sein, da ein zu krasser Anstieg das Wirtschaftswachstum abwürgen würde. Da wird die FED sehr vorsichtig sein.

In Europa gibt es zu niedrigen Zinsen derzeit keine Alternative. Zinserhöhungen würden hoch verschuldete Staaten, wie Spanien, Portugal und Griechenland in große Schwierigkeiten bringen, da sie Gefahr laufen würden, ihre Schulden nicht mehr bedienen zu können. Dann wären wir wieder in derselben Situation wie 2010. 

Eine kontinuierliche Entwertung der Schulden durch eine leicht erhöhte Inflation ist also das Ziel. Steigt die Inflation weiter, haben wir in Europa ein Problem. Der klassische Weg der Zinserhöhungen sollte in aus den beschriebenen Gründen nicht zur Verfügung stehen. Was dann? Im übrigen glaube ich, dass uns dieses Szenario irgendwann bevorstehen wird. Es ist aber egal, was ich glaube. Weil es nur eine Annahme ist.

Zusammenfassung

Steigende Zinsen belasten die Aktienkurse von stark wachsenden und wenig profitablen Technologiewerten. Diese Unternehmen arbeiten mit einem hohen Fremdkapitalhebel.

Die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA belasten die Gewinnaussichten der Unternehmen und drücken auf die Aktienkurse.

Die Zukunftsphantasie hat die Kurse von wenig profitablen Technologiewerten zuletzt beflügelt. Phantasie. Nicht Substanz. Die Kurse waren stark gestiegen, teilweise weit über die fairen Werte hinaus. Es sind weiter viele Unternehmen überbewertet

Unternehmen mit einer sauberen Bilanz werden sich auch bei steigenden Zinsen in den USA besser entwickeln als Unternehmen mit einer hohen Verschuldung.

Dividendenerträge sollten zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Die Anleihenkäufe der Notenbanken werden zurückgefahren. Diese Stütze wird den Aktienmärkten zukünftig.

Wie reagiere ich auf diese Rahmenbedingungen?

Ich bewahre die Ruhe.

Wir haben eine Pandemie, die die Wirtschaft weiterhin belastet.

Wir haben in den USA eine höhere Inflationsrate als gewollt. Darauf wird mit steigenden Zinsen reagiert werden. 

Wir haben eine Inflationsrate in der Euro-Zone, die sich in einem akzeptablen Rahmen bewegt. Es besteht momentan dort kein Handlungsbedarf. Zinserhöhungen sind auf Grund der schwachen Länder in Südeuropa keine wirkliche Handlungsoption.

Ich bin offenbar mit meinem Weg in Aktien zu investieren weiter auf dem richtigen Weg. Aktien sind immer noch die langfristig stärkste Anlageklasse.

Aktien sind Sachwerte und inflationsgeschützt. Steigen die Preise, steigen auch die Gewinne der Unternehmen. 

Bereits bei der Auswahl habe ich Wert auf eine vernünftige Schuldenpolitik meiner Unternehmen gelegt. Ich checke nochmal alle Aktien meines Depots auf ihre Schuldensituation und prüfe, ob sich zwischenzeitlich etwas wichtiges geändert hat.

Bei steigenden Zinsen würden Anleihen attraktiver im Vergleich zu Aktien. Wenn von den Anlegern dadurch vermehrt Geld aus den Aktienmärkten abgezogen und in Anleihen umgeschichtet wird, würde das ebenfalls die Aktienkurse belasten.

Ich sehe derzeit mehr belastende Faktoren als Chancen auf Kursgewinne. Massive Aktienkäufe drängen sich derzeit für mich nicht auf. Die Wahrscheinlichkeit in einigen Monaten günstigere Einstiegspreise zu sehen ist gegeben.

Ich konzentriere mich weiter wie vorgesehen auf den Aufbau von Cash

Ich werde damit zukünftig bei sinkenden Bewertungen den Anteil der Dividendenaktien in meinem Depot im Vergleich zu den Wachstumswerten ausbauen. 

Kursschwankungen sind völlig normal und gehören zum Vermögensaufbau mit Aktien dazu. 

Im vergangenen Jahr habe ich meinen Aktienbestand lediglich sukzessive optimiert und nicht weiter ausgebaut.

Ich verfüge mittlerweile über einen Cashanteil von 24 % und bin diesmal deutlich besser vorbereitet als bei den letzten beiden Kaufphasen zum Jahreswechsel 2018/2019 und Frühjahr 2020.

Mein Gesamtdepot wird sich bei fallenden Kursen deutlich besser entwickeln als die Aktienmärkte. 

In der Vergangenheit habe ich immer wieder betont, wie wichtig es ist, dass man eine Strategie hat. In Phasen wie diesen wird das umso mehr deutlich. Ich sollte mit geringen Anpassungen auskommen:

  • Weiterer Aufbau von Cash
  • Fokussierung auf Unternehmen mit geringer Verschuldung
  • Fokussierung auf Dividendenerträge

Wie ist eure Vorgehensweise für 2022? Seid ihr mit eurer Strategie zufrieden? Über euren Kommentar freue ich mich sehr!

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Wichtiger Hinweis zu § 85 WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für eure Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Ihr handelt eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich euch die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.