Einfach erklärt: Wie funktioniert die Verrechnung von Verlusten?

Verrechnung von Verlusten Verrechnungstopf
Bild: © pixabay.de

Zum Jahresabschluss noch einmal ein Beitrag zum Thema Steuern. Ich stoße immer wieder auf die Frage, wie das eigentlich mit der steuerlichen Verrechnung unserer Verluste funktioniert und was es mit den einzelnen Verrechnungstöpfen auf sich hat.

Die ersten von uns sammeln und sortieren in diesen Tagen bereits ihre Unterlagen für die kommende Steuererklärung.

In diesem Jahr wollte Bundesfinanzminister Olaf Scholz die steuerliche Anrechenbarkeit von Verlusten mit Wertpapieren insolventer Unternehmen abschaffen. Doch dieses Vorhaben ist erstmal vom Tisch.

Aus diesen Gründen ist das Thema ist gerade sicherlich hoch aktuell und ich möchte euch nun die Basics zur Verlustverrechnung gerne an meinem eigenen Beispiel möglichst praxisnah erläutern.

An dieser Stelle noch einmal der Hinweis, dass ich kein Fachmann in steuerlichen Angelegenheiten bin. Trotz aller Sorgfalt bei der Erstellung meiner Artikel kann ich daher keine Haftung für inhaltliche Fehler übernehmen. Eine professionelle Steuerberatung kann und will ich nicht ersetzen.

 

Wie funktioniert die steuerliche Verlustverrechnung?

Eine inländische Depotbank ist gesetzlich dazu verpflichtet für seine Kunden verschiedene Verrechnungstöpfe zu führen. Einen Verrechnungstopf könnt ihr euch wie ein virtuelles Konto vorstellen. Insgesamt gibt es drei Verlusttöpfe, denen zwei Steuertöpfe gegenüber stehen.

Das Ziel dieser Struktur ist es, die Besteuerung von Kapitalerträgen in eine chronologische Reihenfolge zu bringen und eine korrekte Besteuerung eines Anlegers zu ermitteln.

Verrechnung von Verlusten Verlusttopf

Verlusttöpfe

Auf der linken Seite stehen die Verlusttöpfe

In den Verlusttopf Allgemein kommen alle Verluste aus dem Verkauf von Fonds- bzw. ETF-Anteilen und anderen Wertpapiergeschäften.

Die Kursverluste aus dem Verkauf von Einzelaktien werden in den Verlusttopf Aktien gebucht. Bemerkenswert ist, dass die Kursverluste aus reinen Aktienfonds oder -ETF nicht hier, sondern im Verlusttopf Allgemein verbucht werden. Hier nur Einzelaktien.

Steuertöpfe

Auf der rechten Seite stehen die beiden Steuertöpfe.

Im Steuertopf Aktien werden ausschließlich realisierte Kursgewinne aus Einzelaktien angesammelt. 

Alle anderen Erträge, also auch Kursgewinne aus Fonds oder ETF, Dividenden, Zinsen oder auch Stückzinsen befinden sich im Steuertopf Sonstige

Für die Verrechnung von Verlusten gibt es ganz klare Regeln:

  • Verluste aus dem Verlusttopf Aktien können nur mit Gewinnen aus dem Steuertopf Aktien verrechnet werden
  • Gewinne aus dem Verkauf von Aktien können mit Verlusten aus beiden Verlusttöpfen verrechnet werden
  • Erst wenn alle Verluste mit Gewinnen verrechnet sind und dann noch Gewinne übrig sind, wird der Freibetrag von 801/1602 Euro belastet. 
  • Erst wenn dieser Freibetrag voll ausgeschöpft ist, wird die Abgeltungssteuer fällig.

Hier seht ihr meine eigenen Verlusttöpfe zum Stichtag 01.12.2019 aus meinem Depot bei der ING. Auch wenn ihr euer Depot woanders führt, dürfte es bei euch ähnlich aussehen.

Verlustverrechnung_ING

Praxisbeispiele:

In den vergangenen Jahren habe ich 484,18 Euro an Kursverlusten aus dem Verkauf von Einzelaktien angehäuft, die bislang noch nicht verrechnet sind. 

 

Beispiel 1:

Wenn ich nun z.B. bei o.a. Ausgangslage meine 25 Nestlé-Aktien, die ich für 43 Euro gekauft habe, zu einem Preis von 95 Euro verkaufe, würde ich einen Gewinn von 1300 Euro ((95 – 43 Euro) x 25) realisieren. Diese könnten nun mit den 484,18 Euro verrechnet werden. Anschließend bliebe noch ein Gewinn von 815,82 Euro übrig (1300-484,18 = 815,82)

Weil mein Freibetrag bereits ausgeschöpft ist, würden auf den gesamten Betrag von 815,82 Euro Abgeltungssteuer fällig. 

 

Beispiel 2:

Wenn ich z.B. eine Fresenius-Dividende erhalte, würde diese nur mit dem Verlusttopf Allgemein verrechnet werden können. Da dieser aber leer ist, würde von der ausgezahlten Dividende Abgeltungssteuer abgezogen, weil mein Freibetrag schon ausgeschöpft ist.

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Was hat es mit dem Quellensteuertopf auf sich?

Der Quellensteuertopf dient der Berechnung der Quellensteuer aus ausländischen Kapitalanlagen, sofern diese veranlagt, aber nicht direkt an der Quelle abgeführt wurden.

Zur Veranschaulichung hier meine Dividendenabrechnung für meine Starbucks-Aktien:

Dividendenabrechnung_Starbucks-Aktie

Für meine 44 Aktien erhalte ich eine Bruttodividende von 18,04 US-Dollar. In meinem Fall werden 15 % Quellensteuer für US-Aktien fällig. Umgerechnet sind das 2,44 Euro.

Wer mehr über das Thema Quellensteuer wissen möchte, kann sich meine Artikelserie dazu noch einmal durchlesen.

Diese werden umgehend dem Quellensteuertopf als nicht verrechnete Quellensteuer zugeschrieben und mindern meine Abgeltungssteuer sobald der Freibetrag ausgeschöpft ist. Der Betrag ist in den 45,67 Euro enthalten.

 

Beispiel 3:

Nach dem Nestlé-Verkauf und der Fresenius-Dividende sind nun alle Verrechnungstöpfe leer. Der Freibetrag ist natürlich immer noch aufgebraucht. Nun erhalte ich eine Dividende über 100 Euro von Vodafone. Von diesem steuerpflichtigen Ertrag wird nun der Inhalt des Quellensteuertopfes abgezogen (100 – 45,67 = 54,33 Euro). Nur auf die 54,33 Euro wird nun die Abgeltungssteuer fällig.

Was passiert zum Ende eines Kalenderjahres?

Die beiden Verlusttöpfe werden auch über den 31.12. jeden Jahres hinaus fortgeführt. Solange bis die Verluste verrechnet sind oder wir uns eine Verlustbescheinigung ausstellen lassen.

Eine Verlustbescheinigung kann z.B. dann Sinn ergeben, wenn ich Verluste und Gewinne aus mehreren Depots miteinander verrechnen möchte. Den Beleg würde ich einfach meiner Steuererklärung einreichen und der Ausgleich erfolgt dann durch das Finanzamt. 

Die Steuertöpfe und der Quellensteuertopf werden zum Ende des Jahres auf 0 gesetzt und im Rahmen der Steuererklärung abschließend verrechnet. Wenn unser Freibetrag nicht voll ausgeschöpft wird, verfällt allerdings der Betrag aus dem Quellensteuertopf am Jahresende.

 

Was passiert bei einem Depotübertrag?

Wenn ihr euer gesamtes Depot zu einer anderen Bank übertragt, könnt ihr auf dem Formular zum Depotübertrag auch die Übertragung der Verrechnungstöpfe beantragen. Dann werden die Verluste ab sofort innerhalb des neuen Depots verrechnet.

Verlusttöpfe sind an den Kontoinhaber gebunden. Das bedeutet, dass das alte und neue Depot auf den gleichen Namen lauten sollte, wenn ihr sie übertragen möchtet.

In den folgenden drei Fällen wird ist kein Übertrag der Verlusttöpfe möglich:

 

1.Der abgebende und der aufnehmende Depotinhaber sind nicht namensgleich.

2.Ihr möchtet nicht das gesamte Depot, sondern nur einzelne Wertpapiere übertragen.

3.Ihr habt keinen Antrag auf Übertragung der Verlusttöpfe gestellt.

 

Trifft eine der drei Optionen zu, erhaltet ihr von der alten Depotbank eine Verlustbescheinigung und könnt diese dann später mit der Steuererklärung einreichen. Die Verrechnung erfolgt dann halt etwas später.

Ich würde mich freuen, wenn ich ein wenig Licht in den dunklen Steuerdschungel bringen konnte. Falls das so ist, freue ich mich über ein Like meiner Facebookseite.

Wenn noch Fragen offen sind oder irgendetwas nicht verständlich erklärt, schreibt das gerne in die Kommentare, dann ergänze ich den Beitrag laufend damit wir irgendwann eine umfassende Anlaufstelle für dieses Thema haben.

Dies war der letzte Beitrag in diesem Jahr und ich verabschiede mich hiermit in die Blog-Pause. Ich bedanke mich sehr herzlich für euer Interesse im vergangenen Jahr, für eure Unterstützung und vor allem für die Geduld in der Zeit des Domainwechsels.

Ich wünsche euch eine schöne Adventszeit, besinnliche und glückliche Weihnachtstage abseits der Börse und einen tollen Übergang in ein hoffentlich erfolgreiches neues Anlagejahr!

Weiter geht es hier am am 13.01.2020 mit dem ausführlichen Rückblick auf das vergangene Rekordjahr

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Wichtiger Hinweis zu § 85 WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für eure Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Ihr handelt eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich euch die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.