Einfach erklärt: Wie funktioniert die Verrechnung von Verlusten?

Verrechnung von Verlusten Verrechnungstopf
Bild: © pixabay.de

Ich stoße immer wieder auf die Frage, wie das eigentlich mit der steuerlichen Verrechnung unserer Verluste funktioniert und was es mit den einzelnen Verrechnungstöpfen auf sich hat.

Viele von uns sammeln und sortieren in diesen Tagen bereits ihre Unterlagen für die kommende Steuererklärung.

Es ist noch gar nicht so lange her, da wollte Bundesfinanzminister Olaf Scholz die steuerliche Anrechenbarkeit von Verlusten mit Wertpapieren insolventer Unternehmen abschaffen. Doch dieses Vorhaben ist erstmal vom Tisch.

Aus den oben genannten Gründen ist das Thema ist gerade sicherlich brandaktuell und ich möchte euch daher die Basics zur Verlustverrechnung gerne an meinem eigenen Beispiel möglichst praxisnah erläutern.

An dieser Stelle der bekannte Hinweis, dass ich kein Fachmann in steuerlichen Angelegenheiten bin. Trotz aller Sorgfalt bei der Erstellung meiner Artikel kann ich daher keine Haftung für inhaltliche Fehler übernehmen. Eine professionelle Steuerberatung kann und will ich nicht ersetzen.

Wie funktioniert die steuerliche Verlustverrechnung?

Eine inländische Depotbank ist gesetzlich dazu verpflichtet für seine Kunden verschiedene Verrechnungstöpfe zu führen. Einen Verrechnungstopf könnt ihr euch wie ein virtuelles Konto vorstellen. Insgesamt gibt es drei Verlusttöpfe, denen zwei Steuertöpfe gegenüber stehen.

 

Verrechnung von Verlusten Verlusttopf

Das Ziel dieser Struktur ist es, die Besteuerung von Kapitalerträgen in eine chronologische Reihenfolge zu bringen und die korrekte Besteuerung eines Anlegers zu ermitteln.

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Verlusttöpfe

Auf der linken Seite stehen die Verlusttöpfe

In den Verlusttopf Allgemein kommen alle Verluste aus dem Verkauf von Fonds- bzw. ETF-Anteilen und anderen Wertpapiergeschäften.

Die Kursverluste aus dem Verkauf von Einzelaktien werden in den Verlusttopf Aktien gebucht. Bemerkenswert ist, dass die Kursverluste aus reinen Aktienfonds oder -ETF nicht hier, sondern im Verlusttopf Allgemein verbucht werden. Hier nur Einzelaktien.

Steuertöpfe

Auf der rechten Seite stehen die beiden Steuertöpfe.

Im Steuertopf Aktien werden ausschließlich realisierte Kursgewinne aus Einzelaktien angesammelt. 

Alle anderen Erträge, also auch Kursgewinne aus Fonds oder ETF, Dividenden, Zinsen oder auch Stückzinsen befinden sich im Steuertopf Sonstige

Für die Verrechnung von Verlusten gibt es ganz klare Regeln:

  • Erträge aus ETFs, Fonds, Dividenden, Zinsen etc. (Steuertopf Sonstige) können nur mit Verlusten aus dem Verlusttopf Allgemein verrechnet werden.

 

  • Gewinne aus dem Verkauf von Aktien (Steuertopf Aktien) können mit Verlusten aus beiden Verlusttöpfen verrechnet werden.

 

  • Verluste aus dem Verkauf von Aktien (Verlusttopf Aktien) können nur mit Gewinnen aus dem Steuertopf Aktien verrechnet werden

 

  • Erst wenn alle Verluste mit Gewinnen verrechnet sind und anschließend noch Gewinne übrig sind, wird der Freibetrag von 801/1602 Euro belastet. 

 

  • Erst wenn dieser Freibetrag auch voll ausgeschöpft ist, wird die Abgeltungssteuer fällig.

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Hier seht ihr meine eigenen Verlusttöpfe zum Stichtag 01.12.2019 aus meinem Depot bei der ING*. Auch wenn ihr euer Depot woanders führt, dürfte es bei euch ähnlich aussehen.

Verlustverrechnung_ING

Praxisbeispiele:

In den vergangenen Jahren habe ich 484,18 Euro an Kursverlusten aus dem Verkauf von Einzelaktien angehäuft, die bislang noch nicht verrechnet sind. 

 

Beispiel 1:

Wenn ich nun z.B. bei o.a. Ausgangslage meine 25 Nestlé-Aktien, die ich für 43 Euro gekauft habe, zu einem Preis von 95 Euro verkaufe, würde ich einen Gewinn von 1300 Euro ((95 – 43 Euro) x 25) realisieren. Diese könnten nun mit den 484,18 Euro verrechnet werden. Anschließend bliebe noch ein Gewinn von 815,82 Euro übrig (1300-484,18 = 815,82)

Weil mein Freibetrag bereits ausgeschöpft ist, würden auf den gesamten Betrag von 815,82 Euro Abgeltungssteuer fällig. 

 

Beispiel 2:

Wenn ich z.B. eine Fresenius-Dividende erhalte, würde diese nur mit dem Verlusttopf Allgemein verrechnet werden können. Da dieser aber leer ist, würde von der ausgezahlten Dividende Abgeltungssteuer abgezogen, weil mein Freibetrag schon ausgeschöpft ist.

Was hat es mit dem Quellensteuertopf auf sich?

Der Quellensteuertopf dient der Berechnung der Quellensteuer aus ausländischen Kapitalanlagen, sofern diese veranlagt, aber nicht direkt an der Quelle abgeführt wurden.

Zur Veranschaulichung hier meine Dividendenabrechnung für meine Starbucks-Aktien:

Dividendenabrechnung_Starbucks-Aktie

Für meine 44 Aktien erhalte ich eine Bruttodividende von 18,04 US-Dollar. In meinem Fall werden 15 % Quellensteuer für US-Aktien fällig. Umgerechnet sind das 2,44 Euro.

Wer mehr über das Thema Quellensteuer wissen möchte, kann sich meine Artikelserie dazu noch einmal durchlesen.

Diese werden umgehend dem Quellensteuertopf als nicht verrechnete Quellensteuer zugeschrieben und mindern meine Abgeltungssteuer sobald der Freibetrag ausgeschöpft ist. Der Betrag ist in den 45,67 Euro enthalten.

 

Beispiel 3:

Nach dem Nestlé-Verkauf und der Fresenius-Dividende sind nun alle Verrechnungstöpfe leer. Der Freibetrag ist natürlich immer noch aufgebraucht.

Nun erhalte ich eine Dividende über 100 Euro von Vodafone.

Der Inhalt des Quellensteuertopfes wird nun mit der fälligen Kapitalertragssteuer von 25 % verrechnet (45,67 Euro – 25 Euro).

Das Ergebnis von 20,67 Euro verbleibt im Quellensteuertopf.

Was passiert zum Ende eines Kalenderjahres?

Die beiden Verlusttöpfe werden auch über den 31.12. jeden Jahres hinaus fortgeführt. Solange bis die Verluste verrechnet sind oder wir uns eine Verlustbescheinigung ausstellen lassen.

Eine Verlustbescheinigung kann z.B. dann Sinn ergeben, wenn ich Verluste und Gewinne aus mehreren Depots miteinander verrechnen möchte.

Den Beleg würde ich einfach mit meiner Steuererklärung einreichen und der Ausgleich erfolgt dann durch das Finanzamt. 

Wenn alles verrechnet ist, werden die Steuertöpfe und der Quellensteuertopf zum Ende des Jahres auf Null gesetzt und im Rahmen der Steuererklärung abschließend verrechnet.

Sollte ein Restbetrag übrig bleiben, würde dieser automatisch ins kommende Jahr vorgetragen werden.

Wenn unser Freibetrag nicht voll ausgeschöpft wird, verfällt der Betrag aus dem Quellensteuertopf am Jahresende.

Was passiert bei einem Depotübertrag?

Wenn ihr euer gesamtes Depot zu einer anderen Bank übertragt, könnt ihr auf dem Formular zum Depotübertrag auch die Übertragung der Verrechnungstöpfe beantragen. Dann werden die Verluste ab sofort innerhalb des neuen Depots verrechnet.

Verlusttöpfe sind an den Depotinhaber gebunden. Das bedeutet, dass das alte Depot auf den gleichen Namen lauten sollte wie das neue, wenn ihr den Inhalt übertragen möchtet.

In den folgenden drei Fällen ist kein Übertrag der Verlusttöpfe möglich:

1.Der abgebende und der aufnehmende Depotinhaber sind nicht namensgleich (z.B. bei einem Übertrag von einem Einzel- auf ein Gemeinschaftsdepot).

2.Ihr möchtet nicht das gesamte Depot, sondern nur einzelne Wertpapiere übertragen.

3.Ihr habt keinen Antrag auf Übertragung der Verlusttöpfe gestellt.

Trifft eine der drei Optionen zu, erhaltet ihr von der alten Depotbank auf Antrag eine Verlustbescheinigung und könnt diese dann später mit der Steuererklärung einreichen. Die Verrechnung erfolgt dann halt etwas später.

Ich würde mich freuen, wenn ich ein wenig Licht in den Steuerdschungel bringen konnte. 

Wenn ich dieses komplizierte Thema nicht verständlich erklärt habe, schreibt das gerne in die Kommentare, dann besser ich das nach und ergänze den Beitrag laufend, damit wir irgendwann eine umfassende Anlaufstelle für dieses Thema haben.

 

Seid ihr auf der Suche nach dem passenden Depotanbieter?

Ich führe mein Depot bei der ING*, weil die beliebte Direktbank in meinen Augen das beste Komplettpaket für meine Bedürfnisse zur Verfügung stellt. Besonders gelungen finde ich die neue App und den telefonischen Support. Wenn ihr auf der Suche nach einem Depotanbieter seid, lohnt es sich, sich das Direkt-Depot der ING einmal genauer anzusehen*.

Sollte ein unschlagbarer Preis das Hauptkriterium für euren Depotanbieter sein, kann ich euch Trade Republic empfehlen. Hier ist eine ganz neue Generation für die Depotführung ohne Gebühren und Negativzinsen entstanden. Ihr könnt dort Wertpapiere für nur 1 Euro handeln! Dadurch ergeben sich ganz neue Möglichkeiten auch für kleine Beträge Aktien zu handeln, ohne dass eure Rendite durch Ordergebühren aufgefressen wird. Die anfänglichen Kinderkrankheiten scheinen ausgemerzt und somit ist das junge Unternehmen aus Deutschland zu einer echten Alternative geworden. Hier geht’s zu Trade Republic!*

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38 Comments

  1. Kalle

    Hallo Marco,
    sehr informative Seite!
    Zum Verständnis möchte ich dich kurz noch zu einem konkreten Beispiel befragen.
    Du schreibst, dass Aktiengewinne mit beiden Verlusttöpfen verrechnet werden können. Gibt es dabei eine Reihenfolge welcher Topf zuerst geleert wird?
    Wenn ich mit 1000 Euro Gewinn Aktien verkaufe und in beiden Töpfen jeweils 1000 Euro Verlust stehen habe, wird dann jeweils 500 Euro aus beiden Töpfen verrechnet, oder nur der Aktientopf oder doch nur der allgemeine Verlusttopf? Das ist mir noch nicht so ganz klar.
    Geht die Verrechnung eines Aktiengewinns auch, wenn nur der allgemeine Topf gefüllt ist und der Aktientopf komplett leer?
    Danke für deine Hilfe im Voraus!
    Gruß Kalle

    1. Marco

      Hallo Kalle,

      ich glaube, es wurde hier in den Kommentaren schonmal ein paar Mal angesprochen. Die Depotbanken verrechnen Gewinne und Verluste fortlaufend und aktualisieren den Füllstand der Töpfe auch unterjährig. Am Ende des Jahres wird ein Strich drunter gemacht und was dann noch nicht verrechnet ist, kann mit der Steuererklärung abgegolten werden. Es geht also nichts verloren, weil evtl. der „falsche Topf“ zuerst geleert wurde.

      VG Marco

      1. Kalle

        Danke für die rasche Antwort Marco.
        Dass die Töpfe auch unterjährig aktualisiert werden ist soweit klar. Ich habe ja bei meinem Depot bei der ING bei einem Verkauf mit Verlust direkt am nächsten Tag diesen Betrag im Verlusttopf gehabt.
        Unklar ist mir aber immer noch die Verrechnung, wenn wie bei einem Kursgewinn durch Aktien beide Töpfe verrechnet werden können. Welcher dann zuerst verrechnet wird, ist für weitere Gewinnmitnahmen doch entscheidend.
        Noch einmal ein konkretes Beispiel:
        Ich möchte sowohl Aktien als auch einen Fond mit jeweils 1000 Euro Gewinn verkaufen, habe einen Verlusttopf allgemein und einen Verlusttopf Aktien mit jeweils 1000 Euro. Theoretisch würden die Kursgewinne also mit den beiden Verlusttöpfen aufgehen und nach den Verkäufen beide leer sein.
        Jetzt ist aber die Reihenfolge der Verkäufe entscheidend. Wenn ich zuerst die Aktiengewinne realisiere und diese mit dem Verlusttopf allgemein verrechnet werden, verbleiben im Verlusttopf Aktien weiterhin 1000 Euro und beim Verkauf des Fonds mit Gewinn wird direkt die Steuer fällig.
        Wenn ich dagegen den Fond zuerst verkaufe und damit den allgemeinen Topf leere, kann ich danach den Aktiengewinn realisieren und damit den Verlusttopf Aktien auch noch leeren.
        Natürlich könnte ich das mit der Steuererklärung und der Verlustbescheinigung wieder gerade biegen, aber ich möchte weder vorab Steuern bezahlen noch mich damit beschäftigen müssen. Für eine unbürokratische Verrechnung sind die Töpfe genauso wie die Freistellung doch eigentlich auch da.
        Ich habe dazu jetzt schon lange nach einer Lösung gesucht, aber alle Quellen die ich finde greifen genau meine Fragestellung nie auf.
        Es muss doch eine eindeutige Regel geben, welcher Topf bei einem Aktienverkauf zuerst verrechnet wird. Oder würfelt die Bank einfach? 😉
        Gruß Kalle

  2. Martin

    Hallo Herr Wenzel,

    Sie haben mir mit Ihren Ausführungen sehr geholfen. Ich hab nun aber noch eine Frage. Vielleicht können Sie mir helfen.

    Ich habe bei dem Aktiendepot 1 (DKB) Aktienverluste von 5000 Euro erzielt. Der „Verlusttopf“ soll mit ins neue Jahr genommen werden und mit möglichen Gewinnen verrechnet werden können. Eine Verlustbescheinigung möchte ich mir nicht ausstellen lassen.

    Nun habe ich noch das Depot 2 (Union Investment). Dort investiere ich seit 2-3 Jahren monatlich mit einem festen Betrag in einen Aktienfond.. Aktuell habe ich dort einen Gewinn von 1000 Euro.

    Meines Wissens lassen sich Gewinne aus Aktienfonds mit Verlusten aus Aktiengeschäften verrechnen.

    Ein Depotübertrag (Depot 2 wird zu Depot 1 übertragen) ist offensichtlich möglich.
    Wenn ich das Depot 2 zu dem Depot 1 übertrage, kann ich dann auch die erzielten Gewinne des Depot 2 aus dem Invest in den Aktienfonds mit den Verlusten aus den Aktiengeschäften des Depot 1 verrechnen?

    Ich vermute bzw. hoffe ja, bin mir aber nicht ganz sicher.

    Mit freundlichen Grüßen

    Martin Apken

    1. Marco

      Hallo Martin,

      das geht leider nur im umgekehrten Fall.

      Verluste aus Geschäften mit Einzelaktien können nur mit Gewinnen aus Geschäften mit Einzelaktien verrechnet werden. So habe ich es auch in meinem Artikel geschrieben.

      Kursgewinne aus dem Verkauf von Aktienfonds werden dem Steuertopf „Sonstige“ zugerechnet.

      Insofern geht dein Plan leider nicht auf.

      Viele Grüße
      Marco

      1. Martin

        Hallo Marco,

        ich bleibe auch einfach mal beim „Du“. Danke für deine zügige Antwort.

        Ich bin etwas irritiert. Wie in deinen Ausführungen finde ich einige weitere Ausführungen im Internet die besagen, dass man Verluste mit Einzelaktien nur mit Gewinnen aus Einzelaktien verrechnen kann.

        Ich finde jedoch auch mehrere Quellen im Internet die besagen, dass man Verluste mit Einzelaktien auch mit Gewinnen aus verkaufen Aktienfonds verrechnen kann.
        https://www.gevestor.de/details/so-koennen-anleger-aktienverluste-steuerlich-geltend-machen-807993.html
        https://www.finanzen.net/nachricht/geld-karriere-lifestyle/regelungen-2020-corona-crash-boersenverluste-von-der-steuer-absetzen-8708224
        Ich will dir auf keinen Fall widersprechen (meine fachliche Kompetenz ist in dem Bereich nicht nennenswert), aber die verschiedene Auslegung irritiert mich.
        Findest du einen Reim darauf?

        Mit freundlichen Grüßen
        Martin

      2. Marco

        Hallo Martin,

        ich kann nur eine Vermutung anstellen: Ich habe in der Vergangenheit schon häufiger nicht richtige Informationen auf Gevestor.de gefunden. So zumindest meine Erfahrung. Finanzen.net halte ich für seriös. Allerdings habe ich dort den Passus evtl. nicht gefunden, der dich zu deiner Schlussfolgerung kommen lassen könnte.

        Zitat: „Realisierte Verluste aus Wertpapieren, die nach dem Start der Abgeltungssteuer 2009 erworben wurden, dürfen mit Gewinnen aus Aktien oder Aktienfonds verrechnet werden.“

        Dieses Zitat meint übrigens NICHT, dass man Kursverluste aus dem Verkauf von Einzelaktien mit Kursgewinnen aus dem Verkauf von Aktienfonds verrechnen könne. Realisierte Verluste aus Wertpapieren (z.B. Kursverluste aus verkauften ETF- oder Fondsanteilen) dürfen mit Gewinnen aus Aktien oder Aktienfonds (z.B. Dividenden) verrechnet werden. Die Formulierung ist allerdings ausbaufähig. Hilft dir das?

        VG Marco

      3. Martin

        Danke für die erneute schnelle Rückmeldung.

        Ich bin definitiv schlauer geworden.

        Vielen Dank.

        MfG Martin

  3. Uli

    Danke, gute Beschreibung. Eine Frage habe ich noch über die Zuordnung bei verschiedenen Anschaffungskursen, z. B.
    15.01. Kauf 1. Tranche 100 Stck zu 80 EUR
    20.03. Kauf 2. Tranche 100 Stck zu 95 EUR
    05.10. Verkauf (komplett) 200 Stck zu 90 EUR
    D. h. bei Veräußerung entsteht gegenüber der 1. Tranche ein Gewinn und gegenüber der 2. Tranche ein Verlust, in Summe aber ein Gewinn. Bedeutet das, es findet keine Buchung im Verlusttopf statt?

    1. Marco

      Du verkaufst alle Anteile zur selben Zeit. Es entsteht ein Gewinn. Es entsteht kein Verlust. Es findet daher keine Buchung im Verlusttopf statt.

      1. Uli

        Super, das nenne ich eine prompte Antwort. Gibt es dafür irgendeine Regelung o. ä.?

  4. ricc

    Hallo Herr Wenzel, ich habe hier eine Frage zum Thema Leerverkauf und Verlusttöpfe.

    wie werden Leihgebühren, also Zinsen bei Leerverkäufen, versteuert? Es handelt sich hierbei ja nicht um einen <<>> aus Aktiengeschäften, sondern um eine Zinsverlust, der direkt aus Depot gebucht wird. Wie ist das steuerrechtlich zu betrachten?

    mfG

    1. Marco

      Hallo Ricc,

      ich habe mit Leerverkäufen keine Erfahrungen, aber Gebühren fallen nicht unter die Verlustverrechnung. Was sagen denn deine Abrechnungsbelege zu dieser Frage?

      VG Marco

      1. ricc

        Hallo und Danke für Ihre schnelle Antwort,

        Ich bin bei IB und in der Buchführung werden aufgelaufene Zinsen und Dividenden separat aufgeführt. Positive Zins- und Dividendenflüsse werden in DE regulär versteuert, also müsste es vom Verständnis her ja auch umgekehrt der Fall sein? Bisher konnte keine ausdrückliche Erwähnung von Zinsverlusten beim Shortselling finden. Ich bin bei meiner Suche auf Google schon auf Seite 7 angelangt und stoße immernoch auf den Freibetrag von 801€(ehemals Werbungskosten) oder auf diffuse Aussagen, die mich nicht zufriedenstellen. In den USA sind diese mit den Gewinnen verrechenbar,

        Wie zuvor beschrieben: Es handelt sich ja nicht um einen Verlust aus dem Aktientopf, da kein Aktienverlust. Zinsverluste gehen ja in den Verlusttopf unter „Sonstiges“ und können mit den Aktiengewinnen gegengerechnet werden. Desweiteren Frage ich mich, insofern ich mich meiner Annahme falsch liegen sollte und ich diese Verluste nicht aufrechnen kann, wie das FA soetwas herausfinden will, wenn man es „falsch“ erklärt? Was passiert, wenn man positive Zinsen aus Anleihegeschäfte erwirtschaftet hat oder auf geshortete Anleihen Coupons ,also negative Zinsen, abführen muss?

        mfG und vielen Dank für Ihre Mühe.

  5. Dominik Hofmann

    Ich habe eine Frage:
    Wie stellt sich das Ganze dar, wenn ich mehrere Depots habe? Kann ich bei Bank A einen Verlusttopf für Aktien in Höhe von z.B. 1000€ haben und bei Bank B Aktiengewinne schreiben und über den Freibetrag abdecken. Und den Verlust bei Bank A ins nächste Jahr vortragen? Hintergrund ist, dass wenn ich den Freibetrag mit Dividenden und anderen Gewinnen nicht ganz aufbrauchen, dieser verloren geht, während ich den Verlusttopf ins nächste Jahr vortragen kann.
    Ich hoffe man versteht, was ich meine.

    1. Marco

      Hallo Dominik,

      ich hoffe, ich verstehe dich richtig, aber wenn, dann würde dein Beispiel so funktionieren wie du das hier beschrieben Hast. Führt halt unter Umständen zu Aufwand durch Depotübertrage und Geschiebe von Freibeträgen. Da müsstest du schauen, ob sich das lohnt.

      VG Marco

  6. Paul

    Hallo,
    ich habe eine Frage die bisher an keinem Beispiel im Internet zu finden ist.

    03/2020 Verkauf Aktien mit 1.000€ Gewinn, diese wurden versteuert da der FSA ausgeschöpft ist.
    07./2020 Verkauf Aktien mit 800€ Verlust.

    Wird nun die Steuer auf die 1.000€ Gewinn zurückgerechnet, da durch den Verlust nur noch ein reiner Gewinn von 200€ übrig ist?

    1. Marco

      Hallo Paul,

      ja, mit der nachträglichen Verlustverrechnung kann dein Depotanbieter in Deutschland die Steuerzahlung auf deine Gewinne schon während des Jahres verrechnen, spätestens passiert das jedoch durch das Finanzamt bei der Steuererklärung. Zu Einzelheiten, wie z.B. Zeitpunkt oder Bagatellgrenzen, müsstest du bitte bei deinem Depotanbieter nachfragen.

      Viele Grüße
      Marco

  7. Jürgen

    „Erst wenn alle Verluste mit Gewinnen verrechnet sind und anschließend noch Gewinne übrig sind, wird der Freibetrag von 801/1602 Euro belastet.“

    Gibt es dafür eine gesetzliche Grundlage. Bisher habe ich das nur bei der ING so erlebt. Meine andere Bank, reduziert zuerst den Freistellungsauftrag und dann den Verlustverrechnungstopf. Das wäre für die Anleger ja besser.

    1. Marco

      Hallo Jürgen,

      die gesetzliche Regelung ergibt sich aus dem § 20 Abs. 9 S.4 EStG. Die Vorschrift hat zur Folge, dass der freigestellte Betrag erst nach der Verlustverrechnung abgezogen werden kann.

      Kannst du einen Verständnisfehler bei der Verlustverrechnung ausschließen?

      Viele Grüße
      Marco

      1. Jürgen

        Ich habe zumindest bei der anderen Bank zweimal telefonisch nachgefragt und zweimal wurde mir gesagt, dass zuerst der Freistellungsauftrag reduziert wird. Vielleicht machen die das dann einfach falsch, wenn es das Gesetz so vorgibt!?

  8. Sebastian

    Hallo,

    Aktienverluste kann man ja nicht zur Minderung der Steuer bei beispielsweise Dividenden verwenden. Aber geht das über Verwendung des Freibetrages?

    Beispiel:
    01.01. Freibetrag = 801€
    02.01. Verkauf einer Aktie mit 801€ Gewinn, Freibetrag = 0€
    03.01. Dividende von 100€, da Freibetrag = 0€ fallen ca. 26€ Steuern an
    04.01. Verkauf einer Aktie mit 801€ Verlust, Rückrechnung durch Depotbank, Freibetrag wieder 801€, Neuberechnung der Dividenzahlung, Freibetrag = 701€, steuerliche Rückerstattung von 26€

    Ist das so korrekt?

    Viele Grüße

    1. Marco

      Hallo Sebastian,

      soweit ich weiß können Kursverluste aus Aktienverkäufen nicht mit positiven Erträgen verrechnet werden. Wenn du tiefergehende Infos benötigst, müsstest du einen Steuerfachmann fragen.

      Viele Grüße
      Marco

    2. Holger

      Hallo Sebastian,
      ich denke dein Beispiel ist so korrekt.
      Angenommen du hättest bei deiner Bank keinen Freistellungsauftrag gestellt. Deine Bank würde dann ca. 26€ Abgeltungssteuer auf die Dividendenzahlung einbehalten. Nach Ablauf des Kalenderjahres legst du dann deiner Einkommenssteuererklärung die Anlage KAP bei. In diesem Fall würde dir das Finanzamt 26€ zurückerstatten, weil es die Gewinne und Verluste aus dem Verkauf von Aktien miteinander verrechnet. Danach wird der Freistellungsauftrag für die Dividende von 100€ genutzt, d.h. die Dividende wäre in deinem Beispiel abgeltungssteuerfrei, weil der Freistellungsauftrag mit 801€ noch voll zur Verfügung steht.
      Viele Banken nehmen für ihre Kunden automatisch eine sogenannte Steueroptimierung vor. Dadurch können Kunden oft auf die Anlage KAP in der Einkommenssteuererklärung verzichten. Die Banken verrechnen dabei immer wieder fortlaufend die Verlusttöpfe mit den Steuertöpfen und dem Freistellungsauftrag nach den Regeln, wie es Marco im Artikel beschreibt. In deinem Beispiel verrechnet die Bank nachträglich den Verlust aus dem Verkauf der Aktie mit dem Gewinn aus dem Aktienverkauf. Dadurch ist der Freistellungsauftrag, der ursprünglich für den Gewinn aus dem Aktienverkauf genutzt wurde, nachträglich wieder voll verfügbar.
      Genauso verhält es sich auch, wenn man z.B. einen Freistellungsauftrag erst sehr spät im Jahr bei seiner Bank einreicht. Falls man im gleichen Kalenderjahr bereits Abgeltungssteuer bezahlt haben sollte, verrechnen viele Banken diesen nachträglich und erstatten die entsprechend zu viel bezahlte Steuer sofort zurück.
      Viele Grüße
      Holger

    3. Joerg

      @Sebastian,
      verkehrt.
      Chronologie beachten: zu erst wird der entspr. Verlustvortrag verbraucht (falls vorhanden), dann der SparerFreibetrag. Ist der Freibetrag einmal verbraucht, kann er im Kalenderjahr nicht „wiederauferstehen“.
      Basiswerte beachten: Aktienkursverluste koennen nur mit Aktienkursgewinnen verrechnet werden. Nicht mit Aktiendividenden (vgl. Schaubild oben im Post).
      Kreuzcheck: hier wird es auch so beschrieben: https://www.gevestor.de/details/praxiswissen-steuer-tipps-die-verlustverrechnung-bei-kapitalanlagen-751764.html (gehe zu Ueberschrift: „Rechenbeispiel“)
      LG Joerg

      1. Michael

        @Joerg
        verkehrt.
        Das Beispiel von Sebastian ist völlig korrekt und natürlich kann auch der Freibetrag während eines Jahres wieder „auferstehen“.
        Wenn die Verrechnungstöpfe korrekt geführt werden (und das unterstelle ich für deutsche Broker als gegeben) dann spielt die Chronologie der Ereignisse gerade keine Rolle.

        Ich habe mir den gevestor-Artikel jetzt nicht durchgelesen, aber Informationen die dort stehen würde ich ohnehin nur mit äußerster Vorsicht genießen.
        Ich kenne kaum eine andere Seite die derart viel Mist schreibt.

      2. Holger

        @Joerg
        verkehrt.
        Danke Michael für die Richtigstellung! Das Beispiel von Sebastian stimmt so.

        Die Banken verrechnen immer wieder fortlaufend die Verlusttöpfe mit den Steuertöpfen und dem Freistellungsauftrag und das auch immer wieder nachträglich.
        In dem Beispiel von Sebastian verrechnet die Bank nachträglich den Verlust aus dem Verkauf der Aktie mit dem Gewinn aus dem Aktienverkauf. Dadurch steht der Freibetrag, der ursprünglich für den Gewinn aus dem Aktienverkauf genutzt wurde, nachträglich wieder voll zur Verfügung. Für die Dividendenzahlung von 100€ wird dann der wieder verfügbare Freibetrag genutzt, was nachträglich zur Rückerstattung von 26€ Steuer führt, da diese zu viel bezahlt wurden.

  9. Markus Fröhlich

    Danke auch von mir für die gute und verständliche Darstellung.
    Meine Frage: gehören auch Zinsen für Immobilienkredite in den Verlusttopf Allgemein und können somit z.B. mit Aktiengewinnen verrechnet werden?

    1. Marco

      Hallo Markus,

      nein das geht leider nicht. Wenn im Zusammenhang mit steuerlicher Verlustverrechnung von Zinsen die Rede ist, sind Zinseinnahmen gemeint. Zinsausgaben für Immobilienkredite können nicht verrechnet werden.

      Viele Grüße
      Marco

  10. Simon

    Vielen Dank für die ausführliche und verständliche Darstellung.

    Eine Frage habe ich noch, anhand eines Beispiels:

    -1.000 Euro Verlust mit einer Einzelaktie
    – Freibetrag ist NICHT ausgeschöpft (angenommen: 801 Euro)
    – Erhalt einer Dividende (oder Gewinnrealisierung) von 100 Euro aus einem ETF

    Ergebnis:
    – Aktien Verlusttopf weiterhin bei 1.000 Euro
    – Freibetrag neu: 701 Euro (801-100)

    Ist das so korrekt?

    Vielen Dank für Ihre Hilfe.

    1. Marco

      Vielen Dank für das Feedback. Das Beispiel ist so korrekt.

      Viele Grüße
      Marco

  11. Holger

    Großartigen Dank für die hervorragende Erklärung. Auch die aufgeführten Beispiele sind sehr hilfreich.
    Viele Grüße
    Holger

    1. Marco

      Hallo Holger,

      vielen Dank, für deinen Kommentar. Ich freue mich über das positive Feedback und wenn ich dir mit dem Artikel weiterhelfen konnte.

      Viele Grüße
      Marco

  12. Sobriquet

    Danke für die gute und verständliche Darstellung.
    Eine Frage habe ich noch: Kann ich Zinsen von einem Sparkonto mit dem Verlusttopf Allgemein verrechnen?

    Vielen Dank und herzliche Grüße,
    Sobriquet

    1. Marco

      Hallo Sobriquet,

      ja, das funktioniert.

      Herzliche Grüße zurück
      Marco

  13. […] Wer es versäumt, einen Antrag auf die Übertragung der Verlusttöpfe zu stellen, erhält eine Verlustbescheinigung vom bisherigen Broker und kann diese dann über die Steuererklärung einreichen. Eine Übertragung der Verlusttöpfe ist im Übrigen nicht möglich, wenn nur einzelnen Wertpapiere übertragen werden oder das Depot an eine andere Person übertragen wird. […]

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Wichtiger Hinweis zu § 85 WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für eure Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Ihr handelt eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich euch die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.