Historische Dividendenkürzung bei Royal Dutch Shell! Und was ist mit BP?

Dividendenkürzung Royal Dutch Shell
Quelle: pixabay.de

Nun hat es mich auch erwischt. Meine erste Dividendenkürzung in der Corona-Krise. Meine zweite Dividendenkürzung überhaupt.

Vor kurzem habe ich mein Aktiendepot hinsichtlich möglicher künftiger Dividendenkürzungen bzw. -streichungen genau unter die Lupe genommen. Ich habe mir für jede einzelne Dividendenaktie die Frage gestellt, wie sicher meine Dividenden anlässlich der geänderten fundamentalen Voraussetzungen zukünftig noch sein würden.

Daher musste ich damit rechnen, dass es meine beiden Öl-Unternehmen zuerst treffen könnte. 

In diesem kurzen Update möchte ich euch erklären, was genau bei Royal Dutch Shell und BP in den letzten Tagen passiert ist und wie ich darauf reagieren werde.

 

Historische Dividendenkürzung bei Royal Dutch Shell

Royal Dutch Shell hat bekannt gegeben, dass sie zum ersten Mal seit 1945 die Dividende kürzen müssen. Zum ersten Mal seit 75 Jahren!

Auf Grund eines Rückgangs des bereinigten Gewinns von 46 % im ersten Quartal diesen Jahres, sieht sich der größte Öl-Konzern Europas zu dieser historischen Dividendenkürzung gezwungen.

Nach einer Kürzung um satte 66 % liegt die Dividendenrendite bei einem Aktienkurs von 15 Euro nur noch bei 3,92 %.

Auf das Jahr hochgerechnet werden bis auf Weiteres  0,64 US-Dollar ausgeschüttet. Der Ex-Dividenden-Tag für diese Ausschüttung ist der 14.Mai 2020. Die Ausschüttung erfolgt dann am 22.Juni.

Dividendenhistorie
Quelle: Investor Relations

Was ist mit BP?

Im Vergleich zum letzten Quartal zahlt BP hingegen als zweitgrößter Ölförderer in Europa bislang noch eine unveränderte Dividende. Das Unternehmen möchte eine Quartalsdividende in Höhe von 10,5 US-Cents je Aktie ausschütten. 

Bei BP ging der bereinigte Gewinn im Vergleich zum gleichen Vorjahresquartal sogar um ca. 67 % zurück.

Der Ex-Dividenden-Tag ist der 07.05.2020 und die Ausschüttung wird am 19.06.2020 erfolgen. 

Wenn ihr wissen möchtet, wann ihr eure Aktie im Depot haben solltet um einen Anspruch auf eine Dividende zu haben, kann ich euch meinen Artikel zu den wichtigsten Dividenden-Terminen empfehlen.

Dividendenhistorie BP Aktienfinder
Quelle: aktienfinder.net

Die Prognosen der obigen Grafik dürften nicht mehr zutreffen. Solche Grafiken und weitere Analysen zu den wichtigsten Kennzahlen von 1000 Aktien könnt ihr euch auf Aktienfinder.net anschauen.

Ausblick

Bei Royal Dutch Shell habe ich eine Kürzung der Dividende erwartet. 

Die Dividendenkürzung ist für mich nachvollziehbar und richtig. Die Nachfrage nach Rohöl hat durch die Krise extrem nachgelassen. Die Fördermenge ist jedoch weiterhin hoch und die Lagerstätten sind voll. Der Öl-Preis wird solange weiter sinken, bis die Fördermenge ausreichend gekürzt ist. Die Öl-Unternehmen verdienen also weniger Geld für den gleichen Aufwand.

Von BP erwarte ich eine vollständige Streichung der Dividende. Das Unternehmen weist die höchste Verschuldung und die geringste Gewinnmarge unter den fünf größten Öl-Konzernen auf. 

Je länger eine Dividendenkürzung oder -streichung ausbleibt, desto kritischer muss ich das sehen. Eine Dividende sollte nicht dauerhaft aus der Substanz gezahlt werden.

Es ist in der derzeitigen Phase der Corona-Krise allerdings kaum möglich, eine seriöse Unternehmensanalyse anhand von Kennzahlen zu erstellen. Bisherige Umsätze, Gewinn oder KGVs sind aktuell nicht mehr zu gebrauchen. 

Als wichtiger Anhaltspunkt bleibt hier der Öl-Preis. Beide Unternehmen haben vor der Corona-Krise in der letzten schwierigen Phase 2015 bereits bewiesen, dass sie bei Öl-Preisen um die 30 US-Dollar profitabel sein können.

Die in den vergangenen Tagen und Wochen eingeleiteten Sparmaßnahmen werden diesen Wert noch etwas absenken.

Beide Aktien haben in meinem Depot hohe Buchverluste und es macht keinen Sinn, die Aktien bei diesem Kursniveau jetzt noch panikartig auf den Markt zu werfen. 

Als langfristiger Privatanleger bin ich vom dauerhaften Wachstum der Weltwirtschaft überzeugt, denn sonst dürfte ich nicht auf Aktien als Assets setzen. 

Als Neuaufnahme in ein Depot finde ich die Aktie auf dem aktuellen Niveau sehr interessant. In einigen Jahren besteht die Chance auf regelmäßige zweistellige Dividendenrenditen. Ein Nachkauf kommt für mich leider nicht mehr in Frage. Leider ist mein Soll-Wert in der Öl- und Gasbranche bereits überschritten.

Ich werde nun nichts weiter unternehmen und geduldig abwarten. Ich muss jedoch auch ehrlich sein und damit rechnen, dass der Öl-Preis nicht so ganz schnell wieder deutlich ansteigen kann. Schließlich benötigen wir für einen signifikanten Anstieg eine Wiederaufnahme unseres alten Lebens mit Konsum, Reisebewegungen und allem was dazu gehört. Zusätzlich muss die Fördermenge reduziert werden und die Lagerstätten mit Öl-Beständen müssen sich leeren. 

Wenn die Weltwirtschaft sich wieder erholt, wird sich auch der Öl-Preis erholen. Wenn sich der Öl-Preis erholt, werden sich auch gut geführte Öl-Förderer wie Royal Dutch Shell und BP wieder erholen. 

So einfach ist das. Dauert aber.

Wer von euch in der aktuellen Phase Aktien von Dividendenunternehmen kaufen möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass sich das Management schon zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf das konkrete Unternehmen und zur weiteren Dividendenstrategie geäußert hat. Das ist extrem wichtig um böse Überraschungen zu vermeiden. Und es gilt nicht nur für diese beiden Unternehmen.

Schon vor der Corona-Krise habe ich einen Artikel geschrieben, warum ich davon überzeugt bin, dass die Menschen trotz Energiewende noch viele Jahrzehnte auf Öl angewiesen sein werden. Daran hat auch das Corona-Virus nichts geändert.

Einen direkten Vergleich zwischen Royal Dutch Shell und BP findet ihr hier: Aktienduell: Royal Dutch Shell vs. BP | Ölkonzerne Aktienanalyse: Rendite, Wachstum + Bilanz

Seid ihr in eines der beiden oder ein anderes Öl-Unternehmen investiert? Wie verhaltet ihr euch? Habt ihr schon Dividendenkürzungen erleiden müssen? Ich freue mich auf euren Kommentar!

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8 Comments

  1. MrAktie

    Hallo Marco,
    eine Dividendenkürzung kann passieren … meine Meinung und die teilst du wohl auch … die Frage kaufen oder verkaufen stellt sich bei langfristigen Aktionären nicht … sie bleiben dem Unternehmen verbunden … auch in schlechten Zeiten … wer jetzt verkauft, hat seine Hausaufgaben vorher nicht gemacht … eine solche Krise kann halt passieren … dazu ist die Welt insgesamt mittlerweile zu sehr miteinander verwoben und dementsprechend „dünnhäutig“ …fragil …. da helfen nur solide Informationen wie beispielsweise die langfristige Entwicklung von Dividenden Z.B beim DAX … das hilft bei der (vorherigen) Einschätzung einer Aktie … aber du hast dich wohl vorher gut informiert …. werde in deinem Blog häufiger vorbeischauen …
    Schöne Grüße
    Uwe

    1. Marco

      Hallo Uwe,

      ich sehe mich zwar als langfristigen Privatinvestor, aber ich überprüfe „meine“ Unternehmen trotzdem regelmäßig, ob mein Investmentcase noch intakt ist. Meistens bleibe ich anschließend investiert. Ich verkaufe eine Aktie nicht beim ersten Windstoß, aber wenn es grundsätzlich nicht mehr passt, trenne ich mich auch mal konsequent von einem Investment. Ich versuche für jede Aktie immer den Einzelfall zu beurteilen. Ich gehe nicht generell „raus aus Aktien“, wie man so schön sagt. Ab und an passiert es mir auch, dass ich feststelle meine Hausaufgaben nicht vernünftig gemacht zu haben. Dann ist es besser, das einzugestehen und entsprechend zu reagieren. Ich möchte ja auch nicht um jeden Preis an einer Fehleinschätzung festhalten.

      Bei der Beteiligungsgesellschaft Aurelius habe ich erst in der Krise festgestellt, dass es schwer ist, in einer eh schon unübersichtlichen Situation jede einzelne Beteiligung auf ihre Widerstandsfähigkeit zu überprüfen. Durch das Geschäftsmodell von Aurelius fehlt es naturgemäß immer ein wenig an Transparenz, da sie nicht alle Informationen öffentlich machen können. Das kann man dem Management jedoch nicht ankreiden. Auch wenn mir das vorher bewusst war, habe ich erst in der Corona-Krise gemerkt, dass ich mich damit weniger wohl fühle als zuvor angenommen und habe die Konsequenzen gezogen. Man kann deshalb schon zu dem Ergebnis kommen, dass ich meine Hausaufgaben nicht gemacht habe. Man kann aber auch sagen, dass ich die Erfahrung erst selber machen musste, um das zu erkennen.

      Viele Grüße
      Marco

      1. MrAktie

        Hallo Marco,
        ich bin 50 Jahre alt und seit mehr als 25 Jahren an der Börse aktiv …. ich habe schon jeden Fehler gemacht, den es gibt …. jetzt investiere ich nur noch in essen, trinken und rauchen …. das kapiere ich …. und fühle mich damit (zur Zeit) sehr wohl …. und wenn ich falsch liege (wie aktuell bei Kraft Heinz) kann ich es aussitzen, da ich das Unternehmen insgesamt verstehe …
        Jeder muss seine Erfahrungen selber machen …
        Schöne Grüße
        Uwe

  2. Tim von Budgetvision

    Hi Marco,

    Ein super Beitrag von dir . Ich schätze, dass BP zumindest in diesem Jahr keine Dividendenkürzung verkünden wird.
    Das zuletzt verkaufte Alaskageschäft spült Mrd. in die Firmenkasse. Ob die richtige Verwendung dafür ist die Dividendenzahlung aufrecht zu erhalten ist sicherlich Geschmacksache.

    Allerdings bin ich voll bei dir, dass sich der Ölpreis wieder erholen wird und die Ölmultis dann wieder Mrd verdienen werden. Sollte sich ein Pensionsfonds dann entscheiden, wo er investiert kann ich mir gut vorstellen, dass eine BP dann den Vorzug bekommt. Vorausgesetzt das Geschäft und damit der Aktienkurs leidet nicht zu stark durch den Abfluss der Dividende in der niedrig Ölpreiszeit.

    Persönlich werde ich weiter beide Titel im Depot halten mir allerdings gut überlegen, welchen ich aufstocke.

    Viele Grüße
    Tim

  3. Dominik

    Bei dem Gesichtsausdruck von CEO Ben van Beurden während der Videobotschaft hatte man ja fast Angst, dass er jeden Moment anfängt zu weinen 😊. Die Dividenenkürzung bezeichnete er als „brutal step“. So schaut’s aus.

    Prinzipiell finde ich eine Streichung / Kürzung der Dividenden in einer solchen Situation nachvollziehbar, wobei Shell ja sogar von zwei Seiten in die Mangel genommen wird: auf der einen Seite frisst Corona die Nachfrage auf, auf der anderen zerstört der Öl-Kampf zwischen Saudis, Russen und Amerikanern den Ölpreis.

    Was ich aber nicht gut finde, ist die Schwammigkeit, mit der hier kommuniziert wird. Während der CEO die Dividendenkürzung als „rebase our dividend“, beschrieb, was eine komplette Neuausrichtung der Dividendenstrategie des Unternehmens impliziert, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende, dass nur die Q1-Dividende gekürzt sei, und man die Situation in den nächsten Wochen neu evaluieren wird. Als Investor fragt man sich: Ja was denn jetzt?

    Neben Shell hat bei mir noch die HSBC die Dividenden ausgesetzt, und da waren die Statements ebenso wenig auskunftsfreudig.

    Ich bleibe weiter bei Shell investiert. Ich könnte zwar verkaufen, weil meine Position insgesamt, trotz dem heutigen Einbruch, noch ca. 10% im Plus ist. Ich gehe aber davon aus, dass der Ölpreis wieder steigt. Alle, die den Ölpreis nach unten drücken benötigen ja trotzdem die Einnahmen aus Öl, die Saudis z.B. um ihren Krieg im Jemen zu finanzieren. Niemand hat ein Interesse an niedrigen (oder sogar negativen) Ölpreisen. Und auch Corona wird in mittelfristiger Zukunft nicht mehr das beherrschende Thema sein. Unternehmen verkaufe ich dann, wenn sie im „Normalbetrieb“ nicht mehr vernünftig funktionieren.

    Viele Grüße
    Dominik

      1. Marco

        BP zahlt eine stabile Dividende. Die vermeintliche Erhöhung ergibt sich aus den Währungseffekten.

    1. Marco

      Hallo Dominik,

      ich weiß nicht, ob wir nicht auch weinen würden, wenn wir als CEO die erste Dividendenkürzung seit einem Dreivierteljahrundert verkünden müssten. Die Erklärung von Ben van Beurden im Wortlaut habe ich mal herausgesucht:

      „Under extremely challenging conditions, Shell is stepping up to protect our people and support communities around the globe while delivering strong safety and operational performance across our business. Our Integrated Gas and Marketing businesses continued to achieve robust results this quarter, bringing resilience to our cash flows. In March, we took decisive actions to reduce our spending, increase our liquidity and position our business to manage the deteriorating macroeconomic and commodity price outlook. Our integrated business model, the high quality of our assets and the resourcefulness of our people have allowed us to respond swiftly.

      Given the continued deterioration in the macroeconomic outlook and the significant mid and long-term uncertainty, we are taking further prudent steps to bolster our resilience, underpin the strength of our balance sheet and support the long-term value creation of Shell. Starting this quarter, the Board has decided to reduce our quarterly dividend to 16 US cents per share.“

      Was deine Einschätzung zur Zukunft von Shell und der Öl-Branche angeht, teile ich deine Ansicht. Die unklare Aussage zur weiteren Ausrichtung von Shell in Sachen Dividende war mir noch gar nicht aufgefallen. Vielen Dank also für den Hinweis! Aber sie steht symptomatisch für die allgemeine Lage des Unternehmens und der Branche. Wie soll man in der derzeitigen Situation, wo noch gar nicht alle Parameter bekannt sind, eine klare Aussage zur Zukunft treffen?

      Viele Grüße
      Marco

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Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für eure Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Ihr handelt eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich euch die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.