Schwarze Karnevalswoche: 12.000 Euro Verlust in fünf Tagen

Newsletter
© PantherMedia / Andriy Popov

Für meinen gestrigen Newsletter habe ich bis hierher eine extrem positive Resonanz erfahren. Mit meinen Abonnenten ist eine sehr spannende Diskussion entstanden, bei der es darum ging, ob nun der richtige Zeitpunkt für einen Einstieg in Aktien sei.

Aus diesem Grund habe ich mich kurzerhand entschlossen den aktuellen Newsletter heute ausnahmsweise allen Lesern zur Verfügung zu stellen.

Newsletter: Februar 2020

Ehrlich gesagt, hatte ich nach dem Januar-Newsletter nicht damit gerechnet, dass ich mich heute noch mal so intensiv mit dem Corona-Virus beschäftigen muss.

Doch der Druck am Markt hat in der vergangenen Woche extrem zugenommen. Aktien fallen über fast alle Branchen hinweg ins scheinbar Bodenlose. Gold, Kryptowährungen und Rohöl bieten auch keinen wirklichen Halt. Mein Depot musste seit dem Rosenmontag Kursverluste über fast 12.000 Euro hinnehmen. Solche Verluste sind in der Kürze der Zeit und in diesem Ausmaß auch neu für mich. Trotzdem ist das nachvollziehbar. Je besser sich ein Depot entwickelt, desto höher ist natürlich auch die Fallhöhe.

In meinem Aktiendepot wimmelt es vor blutroten Zahlen. Die Zusammenstellung meiner Einzelwerte wirkt auf Grund der vielen Minuszeichen auf einmal subjektiv, wie eine von einem Anfänger zusammengewürfelte Ansammlung von Wertpapieren. Von meinen Vergleichsindizes hat sich nur der Euro STOXX in 2020 bislang schwächer entwickelt. Ich habe meine Performance-Werte gestern Abend aktualisiert und du kannst dir auf der entsprechenden Unterseite auch in schwachen Performance-Phasen ein Bild davon machen.

Es kommen Zweifel auf. Habe ich bei meiner Auswahl der Werte etwas übersehen? Habe ich hinsichtlich meiner Einstiegszeitpunkte etwas nicht bedacht? Hätte man diesen Rückgang des Marktes nach den krassen Renditen des letzten Jahres nicht vorhersehen müssen? Werden die Auswirkungen des Corona-Virus das weltweite Wirtschaftswachstum abwürgen?

Ich kann mir vorstellen, dass du ähnliche Zweifel hegen könntest. Egal, wie sehr ich mir in guten Börsenphasen vornehme, meiner Strategie auch in einem Crash konsequent treu zu bleiben und ganz gleich, wie viele ähnliche Börsenphasen ich nun mittlerweile durchgemacht habe, diese Gedanken kommen trotzdem zwischendurch immer wieder mal auf.

Aber erinnerst du dich vielleicht daran, dass ich in vergangenen E-Mails immer wieder daran erinnert habe, dass wir es gar nicht nötig haben, irgendwas vorhersehen zu müssen? Wir müssen einfach nur wissen, was in welchen Marktphasen zu tun ist und dann auf die eintretenden Ereignisse reagieren. 

Meine Vermögensentwicklung 2015-2020

Das ist die Grafik meiner Vermögensentwicklung seit dem Jahr 2015. In Phasen wie diesen, schaue ich mir diese Grafik an, um mir ein möglichst rationales Bild vom Ist-Zustand zu bekommen. Nüchtern betrachtet, befindet sich mein Vermögen auf dem Niveau vom letzten Quartal 2019. Damals war ich damit sehr zufrieden und habe mich über die tolle Entwicklung gefreut. Heute fühlt es sich so gar nicht nach Zufriedenheit an. Aber das ist nur ein subjektives Empfinden. Die Größe meines Vermögens ist dieselbe wie schon vor einem halben Jahr.

Auch sind es dieselben Aktien derselben Unternehmen, die vor wenigen Wochen noch einen Höchststand nach dem anderen erklommen haben.

Daher geht es nun darum Ruhe zu bewahren und  keine panikartigen Entscheidungen zu treffen. Meine Dividenden fließen weiter, denn keines meiner Unternehmen hat bis heute die Dividende gekürzt. Eine konkret bevorstehende Gefahr für eine Kürzung kann ich im Moment auch nicht erkennen.

Am Ende des Tages geht es für einen langfristigen Privatinvestor nur um eine einzige Frage mit der er sich beschäftigen muss, wenn er vor der Entscheidung steht, ob ein Investment in Aktien ratsam sein könnte:

Kann das Wachstum der Weltbevölkerung und damit der Weltwirtschaft durch das Corona-Virus DAUERHAFT gestoppt werden?

Diese Frage kann ich für mich mit einem ganz klaren NEIN beantworten. Vielleicht wird es einigen Unternehmen die Geschäftsergebnisse für das aktuelle Jahr verhageln. Aber mittelfristig wird der Betrieb auf dieser Welt wieder in rationale Bahnen zurückkehren. Nach einer schlechten Phase ist das Steigerungspotenzial für das Gewinnwachstum eines fundamental funktionierenden Unternehmens umso größer.

Wenn du noch eine Motivationshilfe benötigst, kann ich dir meinen Artikel aus der letzten negativen Phase der Aktienmärkte empfehlen. Damals ging es um Handelsstreit und Brexit, aber das Motiv für Kursverluste ist aus meiner Sicht beliebig austauschbar: Aktienmärkte im Rückwärtsgang: Alles eine Frage der Einstellung?

Was gibt es also nun für mich zu tun? Ich hadere nicht mit meiner schlechten Performance, sondern konzentriere mich lieber auf den Umgang mit meinem Cashbestand

Seit gestern ist das Signal des Dividenden-Alarm-Indikators für mich hochinteressant. Ich teile nun mein verfügbares Cash in drei gleichgroße Tranchen und nehme mir vor, ein Drittel davon sofort und bei nochmaligen 15-20 %-Rückgang ein zweites Drittel zu investieren. Das dritte Drittel wird in Aktien umgewandelt, falls es einen dritten Rückgang von nochmal ca. 15-20 % geben sollte. 

Selbst wenn das Corona-Virus wieder aus den Märkten verschwunden ist, kann uns ein neuer, noch gänzlich unbekannter Grund für weitere Kursverluste erwischen. Und dann wären da auch noch die Wahlen in den USA….Es müsste also noch einiges passieren, bis ich dazu bereit wäre, mein gesamtes Cash inkl. Fremdkapital in den Markt zu pumpen und mich selbst handlungsunfähig zu machen.

Sollten die Märkte zeitnah wieder dauerhaft nach oben drehen, nehme ich in Kauf nicht alles investiert zu haben. Kein Problem. Ich bin bekennender Angsthase und vermeide es volles Risiko zu gehen.

Nachkaufoptionen

Nach der Einteilung der Cash-Tranchen schaue ich mir mein Aktiendepot genauer an. Hierbei fällt auf, dass sich die Technologiewerte (z.B. Amazon, Alphabet, Facebook, Netflix) recht tapfer halten. Das ist erst einmal ein gutes Zeichen. Im Hinterkopf habe ich jedoch auch, dass dies in der letzten Kaufphase 2018/2019 auch anfangs so war und diese Werte kurz vor der Bodenbildung dann doch noch stark nachgegeben hatten. 

Die Branche Öl & Gas befindet sich schon auf einem sehr interessanten Niveau. In der letzten Mail hatte ich noch geäußert, dass ich diese Branche nur beimischen und nicht übergewichten möchte. Unter den heutigen Vorzeichen kann ich mich mit dem Gedanken an eine vorübergehende Übergewichtung immer besser anfreunden. Gestern habe ich bereits die BP-Aktie zu je 4,68 Euro aufgestockt. 

Weiter habe ich mir die Werte herausgesucht, die sich nach der letzten Kaufphase am besten entwickelt haben. Sollten diese in den nächsten Tagen und Wochen wieder in den Bereich der damaligen Tiefpunkte gelangen, würde ich gerne nachkaufen wollen. Besonders interessant erscheinen mir auf dieser Bewertungsgrundlage: Alibaba, BlackRock, T. Rowe Price und Paypal.

Normalerweise würde ich auch BASF und Fresenius aufstocken. Aber da zwischen den letzten beiden Kaufphasen gerade einmal zwölf Monate lagen, ist Cash nicht unbegrenzt vorhanden. Wenn ich eine Priorisierung vornehmen muss, landen beide Unternehmen erst einmal auf der Ersatzbank. 

Watchlist

Bei meiner Watchlist gehe ich genauso vor. Hier sehe ich Berkshire Hathaway, LVMH, Microsoft und Texas Instruments als spannendsten Kandidaten. Ein Kauf erfolgt jedoch nur bei Erreichen der vorher festgelegten Limits. 

Eine erste Position von Booking Holdings ist bereits gestern für 1489 Euro in mein Depot gewandert. Die Aktie bewegte sich gestern im Laufe des Tages in den Bereich der 3-Jahres-Tiefpunkte. Bei weiteren Rücksetzern würde ich. je 10-15 %-Rückgang. weiter aufstocken wollen.

Quelle: ariva.de, eigene Darstellung

Für weitere Nachkäufe warte ich auf die nächste Gelegenheit, an der die Märkte tief im Minus sind, weil die anderen Anleger ihre Aktien panikartig auf den Markt werfen. Selbst gebe ich keine einzige Aktie her. 

Morgen geht es für mich für einige Wochen nach Südafrika. Von daher ist der Zeitpunkt der Kaufphase leider nicht besonders optimal. Auch wenn ich dort sicherlich ein wenig Abstand von der (übertriebenen) Corona-Panik in unserem Land gewinnen kann, muss ich während meiner Rundreise ab und zu mit einem Auge auf mein Aktiendepot und meine Watchlist schauen. 

Die aktualisierten Artikel zu meiner Vermögensstruktur werden trotz Urlaub weiter veröffentlicht. 

Der Newsletter ist auf Grund der aktuellen Ereignisse heute ein wenig anders ausgefallen als du es vielleicht gewohnt bist. Obwohl der Abschnitt zu meinem P2P-Cashflow-Projekt diesmal ausgefallen ist, habe ich die Tabelle auf den aktuellen Stand gebracht. Du kannst dir die Februar-Ergebnisse hier ansehen. 

Ich hoffe, das du trotz der schlechtesten Börsenwoche seit der Finanzkrise auch jetzt deiner Strategie treu bleiben kannst, rational und überlegt handelst und das du das Wochenende ohne Börsenhandel zum durchatmen nutzen konntest. Vor allem wünsche ich dir, dass dir die aktuelle Phase trotz Kursverlusten und Nervenkitzel auch ein bisschen Spaß macht.

Wie gehst du in der aktuellen Situation vor? Wann ist für dich der richtige Zeitpunkt für einen Einstieg gekommen? Mit welchen Auswirkungen für die Realwirtschaft rechnest du auf Grund des Corona-Virus? Ich freue mich auf deinen Kommentar. Bitte habe Verständnis, wenn ich auf Grund meines Urlaubs nicht so schnell antworten kann, wie gewohnt. 

 

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